Der Vater des Attentäters

Paul Allen ist ein glücklicher Rheumatologe in Conneticut. Als er aber eines Abends mit seiner wunderbaren Frau und den beiden kecken Kindern beim Znacht sitzt, werden im Fernsehen News gezeigt, die sein Leben erschüttern.

Noah Hawley: Der Vater des Attentäters (Nagel & Kimche)

Das normale Fernsehprogramm bricht ab. Stattdessen werden schreckliche Bilder gezeigt: Der demokratische Präsidentschaftskandidat wurde Opfer eines Attentates. Er wird zwar ärztlich behandelt, aber die Chancen stehen schlecht, er wurde angeschossen und schwer verwundet. Nach dem ersten Schock stellt sich - auch zu Hause bei der Familie von Paul Allen - die brennende Frage: Wer war es?

Anscheinend war es nicht schwierig, den Täter zu finden. Denn kurz nach dem Attentat wird ein junger Mann festgenommen. Er hält die Pistole noch in der Hand. Das Fernsehen zeigt sein Gesicht. Die Allens erstarren: Es ist Daniel. Paul Allens Sohn aus erster Ehe.

Dieser psychologisch perfekt durchdachte Roman des Amerikaners Noah Hawley leuchtet die dunklen Gehirnwindungen der Menschen aus. Er zeigt, wozu ein Vater fähig ist, wenn es darum geht, die Unschuld seines Sohnes zu beweisen. Der Autor nimmt auch einige Verbrechen wie den Mord an JFK unter die Lupe. Bei vielen Attentaten ist offenbar bis heute nicht klar, ob sie von Einzeltäter verübt worden sind oder ob eine Verschwörung dahinter steckt.

Breathtaking! 

Leseprobe, Seite 9:

Mit sieben hatte er für sein Leben gern geschaukelt. Er hatte wild die Füsse auf- und abgeschwungen, die Fersen in den Himmel gereckt und "Mehr, mehr, mehr!" geschrien. Er war ein unbändiger Junge gewesen, nicht zu stoppen und so voller Leben, dass alles um ihn herum kränklich und still wirkte. Nachts lag er zusammengerollt auf einem verworrenen Haufen aus Decken und Laken, mit verrutschtem Schlafanzug, die Stirne kraus, die Fäuste geballt. Wie ein Tornado, dem die Luft ausgegangen war. Wer war dieser Junge, und wie hatte er zu einem Mann werden können, der in Motelzimmern hockte und mit Patronen spielte? Was brachte ihn dazu, sein bequemes Leben wegzuwerfen und einen Akt der Barberei zu begehen? Ich habe die Berichte gelesen, die Bilder studiert, doch die Antwort entzieht sich mir. Mehr als alles andere will ich es wissen.
Ich bin sein Vater, verstehen Sie?
Er ist mein Sohn.

Noah Hawley: Der Vater des Attentäters
Nagel & Kimche Verlag, 400 Seiten
ISBN: 978-3-312-00603-8

Autor/in: Tanja Kummer