Die Hochspannungsleistung

Mit angehaltenem Atem prescht der Leser durch den neuen Roman «Vier Tag im August» von Silvio Blatter. Und versucht, das packende Werk zu verorten: Ist es eine messerscharfes Familiencharakteristikum? Oder ein Thriller mit Lokalkolorit?

Silvio Blatter: Vier Tage im August
Bildlegende: Silvio Blatter: Vier Tage im August

Wie schafft es Silvio Blatter nur, dass man sich beim Lesen seines Buches so angenehm angespannt fühlt? Man fühlt sich verkrampft, wenn die Ferienreise von Iris und Paul von einem Unfall gestoppt wird, wenn Paul an der Unfallstelle aus dem Auto steigt, sich die Beine vertreten will. Es ist einem «gschmuch», wenn der Autor die Perspektive wechselt und Paul beim Beine vertreten beobachtet wird.

Man rutscht unruhig auf dem Stuhl hin und her, wenn Iris und Paul am nächsten Tag in Genua überfallen werden, beginnt zu zappeln, wenn tags darauf am Zürichsee die Hunde von Iris Ex-Mann tot im Zwinger liegen.
Man wird das Buch nicht zur Seite legen, bis man das Geheimnis hinter diesem Roman gelüftet hat und sich wieder entspannen kann.

Spannung und Lokalkolorit
Etwa in der Hälfte des Buches münden die verschiedenen Handlungsströme in einem erst undurchsichtigen See und die Geschichte beginnt sich um die Figur Leo zu drehen. Um ihn und die unglücklichen Vergangenheit eines Herrenquartetts, die mit Sport zu tun hat: Mit Rudern.

Das Buch zeigt gleichermassen die Dynamik einer Familie, wie auch das Porträt eines Mannes, der aus dem psychischen Gleichgewicht gerät und - es ist ein Krimi mit Lokalkolorit, dessen Stoff auch für 500 Seiten gereicht hätte. Silvio Blatter erzählt ihn auf 242 Seiten. Das sorgt für Spannung und jagt den Leserpuls in die Höhe.

Leseprobe, Seite 10, der Unfall:

Iris stellte den Motor ab, presste die Hände auf Augen und Stirn. Paul sass neben ihr, machte ein unbekümmertes Gesicht, die Arterie an seiner Schläfe zuckte. Vor ihnen standen zehn, zwanzig Autos, sprungbereit, sie mussten sich gedulden. Familien stiegen aus, ungehalten, neugierig, auch die Gelegenheit nutzend, ein wenig die Gelenke zu lockern, die Füsse zu vertreten. Kinder quengelten. Männer legten die Hände auf die knisternde Kühlerhaube, darunter kühlte der Motor ab. Man rauchte, telefonierte, was ist hier los, man fotografierte und verschickte Aufnahmen und Grüsse. Ein junger Mann hob seine Freundin hoch, damit sie über alle Köpfe hinweg das Schlamassel dort vorn mit dem Handy filmen konnte.

Silvio Blatter: Vier Tage im August
LangenMüller Verlag, 245 Seiten
ISBN: 978-3-7844-3316-5

Autor/in: Tanja Kummer