Kleine Dialoge: «Politik und Liebe machen» von Laura de Weck

In ihren szenischen Dialogen durchmischt Laura de Weck Öffentliches mit Intimem: Die Frauenquote wird im Schlafzimmer diskutiert, Volk und Staat müssen zur Paartherapie und im Kreisssaal wird illegal eingewandert. Kleine Dialoge über grosse Fragen.

Nora Zukker
Bildlegende: Nora Zukker SRF 3

Über das Politische im Privaten

Gesetzgeber und Google wirken von oben auf unser Privatleben ein. Doch wer liegt in einer Demokratie eigentlich oben und wer unten? Aus Normalem macht die Autorin Ungewöhnliches, aus Banalem höchst Politisches. Laura de Wecks erfolgreiche Kolumnen aus Tages-Anzeiger und Bund bringen in treffsicheren kleinen Dialogen große Themen auf den Punkt. Egal, ob es um Familie, Frauenquote, Stadtentwicklung, Gender, digitales Leben, Migration oder Steuern geht – das politische beeinflusst das private Leben unweigerlich.

Ein vielstimmiges Panorama zum aktuellen Leben, Lieben und Politisieren in der Schweiz und Europa. Ein heiter abgründiges Alltagsbuch.

Laura de Weck - die Beobachterin

Die gebürtige Schweizerin Laura de Weck ist Schauspielerin und Regisseurin. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Hamburg. Wir können froh sein, haben wir solch gute Beobachterinnen wie Laura de Weck. Sie hört genau hin und schreibt auf, was wir reden, wie wir reden. Dialoge sind die Königsdisziplin des Schreibens. Den wenigstens gelingen sie so, dass man beim Lesen nicht denkt, oh das ist nun doch eher konstruiert. Laura de Weck kann es. Laura de Weck verzichtet drauf, dass ihre Figuren gescheit daher reden und in jedem Satz eine Pointe liegt und so schafft sie Figuren, wie wir Menschen sind. Es wäre ja noch schöner, würden wir im echten Leben immer so gescheit und pointiert miteinander reden. Mit «Politik und Liebe machen» ist Laura de Weck ein rasantes, kurzweiliges und gescheites Buch gelungen, dass man in einem Zug gelesen hat und sich nachher zwangsläufig mehr damit auseinandersetzt, wie wir miteinander reden.

Leseprobe (Auszug)

Paartherapie

Herr Staat // Frau Bevölkerung // Therapeut

Therapeut Wir sind heute zusammengekommen, weil Sie um Hilfe gebeten haben. Es besteht zwischen Ihnen ein sogenanntes Misstrauensverhältnis, wodurch es für Sie beide schwierig geworden ist, weiter zusammenzuleben. Ist das richtig?

Bevölkerung Genau so ist es.

Staat Wenn die Bevölkerung es so genau weiss, dann ist es anscheinend so.

Therapeut Ich bitte Sie, Herr Staat, meine Fragen nur zu beantworten. Bewerten Sie nicht, sondern beschreiben Sie nur. Herr Staat, woran liegt es, dass Ihre Partnerin Ihnen nicht traut, haben Sie eine Idee?

Staat Keine Ahnung. Ich hab sowieso das Gefühl, dass egal, was ich tue, sie immer unglücklich ist und mir irgendetwas Böses unterstellt. Dabei gebe ich mir seit Jahren Mühe, ich passe auf sie auf, organisiere Feste, informiere sie über all meine Handlungen. Ich lege alles offen...

Bevölkerung So ein Quatsch, ich muss dich manchmal hundertmal fragen, wo du warst, und kriege keine Antwort...

Therapeut Lassen Sie Ihren Partner aussprechen, Frau Bevölkerung, Sie sind gleich dran.

Laura de Weck
Politik und Liebe machen
Diogenes Verlag, 194 Seiten
ISBN: 978-3-257-30038-3

Autor/in: Nora Zukker