«Angeklagt» von Mariella Mehr 4/7

Kari Selb soll ihre Taten der Gerichtspsychologin erklären und sich erinnern: an ihre Kindheit, ihr Elternhaus, ihre Angst und ihre Wut. Was ist wirklich passiert? Was hat sich in Träumen abgesetzt? In Phantasien? Malik zum Beispiel, die immer auftaucht, wenn es brennt. Malik mit den roten Schuhen.

Angeklagt
Bildlegende: Schild vor dem Basler Strafgericht Keystone

«An was wollen sie mich heranführen?», fragt die Mörderin die Psychologin. «Sie haben mich an nichts und niemanden heranzuführen. Sie haben nur die Pflicht, mich nach den aktenkundigen Taten zu befragen und zu beweisen, dass ich sie bei vollem Bewusstsein begangen habe. Sie sollen meine Zurechnungsfähigkeit feststellen.»

Doch wie zurechnungsfähig ist Kari Selb, wie entschuldbar, erklärbar sind die Brände, die zwanghaften Taten einer traumatisierten Mörderin? Ersatzhandlungen? Nein, lächerlich, wehrt sich Karin Selb. Aber das Rot. Das Blut. Das Blutrot. Die Bilder, Geräusche, Töne, Schreie. All das bedrängt sie, sucht einen Ausweg, will raus. Wenn Malik auftaucht, mit den roten Schuhen. Dann brennt es. Bis die Stille kommt. Die Ruhe.

Sprecherin: Susanne Marie Wrage - Regie: Geri Dillier - Produktion SRF 2014 - Dauer: 23‘

Redaktion: Geri Dillier