«Boule de suif» von Guy de Maupassant 2/4

Eine Postkutsche in der von Preussen besetzten Normandie. In dieser reist auch: «Boule de suif», Prostituierte und Patriotin in einem. Diese Mischung macht sie zum Spielball ihrer Mitreisenden, die sie bedenkenlos verachten, benützen oder verhökern; so lange es nur ihrem Vorteil gereicht.

Eine Postkutsche fährt an einem Feld vorbei
Bildlegende: In einer Postkutsche kommt es zu einer ungewöhnlichen Begegnung. Keystone

Frankreich 1870/71. Die Preussen haben den Krieg gewonnen. Händler und Financiers der Normandie reisen nach Le Havre, wo die französische Armee steht und wo sie die Handelsbeziehungen wieder aufleben lassen wollen.

So treffen in einer Postkutsche zehn Personen aufeinander, die zusammen einen repräsentablen Querschnitt der Gesellschaft abgeben: Honorable und Grossbürger samt Gattinnen auf den besten Sitzen, der geistliche Stand in Gestalt zweier Nonnen und das neumodische Denken in Person des Demokraten und Lebemannes Cornudet.

Und mittendrin sitzt eine stadtbekannte Prostituierte, ihrer ausserordentlichen Rundungen wegen «Boule de suif» «Fettklösschen» genannt.

Wird diese Frau anfangs von allen Reisenden verachtet, so kehrt sich die Abneigung bald in gutmütige Duldung um. Denn nur «Boule de suif» hat daran gedacht, Reiseproviant einzupacken und nachdem sich die Fahrt um Stunden verzögert, teilt sie ihren Vorrat brüderlich mit den ausgehungerten Mitreisenden.

Sprecher: Matthias Habich Produktion: SRF 1976 Dauer: 23

Redaktion: Susanne Heising