«Der verhinderte Schauspieler» von Arnold Kübler 3/8

Drahtzauns steiniger Weg zur reinen Sprache führt ihn in die Theatermetropole Berlin. Auf einer dieser grossen Bühnen will er landen. Er muss weiter üben! Tatsächlich darf er am Neuaufbau der Ostenbühne mitwirken zunächst als Inspizient. Schliesslich feiert er berauschende Erfolge als Komödiant.

Das Schiller-Theater in Berlin-Charlottenburg
Bildlegende: Das Schiller-Theater in Berlin-Charlottenburg Wikimedia/Bundesarchiv

Aus Dresden musste Raben Drahtzaun fliehen aus den Fängen eines lächerlich sächselnden Sprachlehrers genauso wie aus zu festen Umarmungen der lieben Marianne. Angekommen in der Hauptstadt Berlin, steht er nun staunend und träumend vor den Anschlagsäulen der weltberühmten Theaterbühnen. Von ihnen herunter will er das Publikum mit heiligen Dichterworten beglücken in reinem Hochdeutsch, nicht in seiner jämmerlichen Heimatsprache!

Er verordnet sich Sprachreinigung durch Schweigen. So kommt er schliesslich durch Vermittlung des Irrenarztes Dr. Fritz an die Ostenbühne, arbeitet sich beharrlich nach oben, vom Abendspielleiter zum Inspizienten, zum Regieassistenten, bis hinauf auf die Bühne. Einen bayrischen Statisten darf er geben, weil bajuwarisch und helvetisch für preussische Ohren wie eins klingt. Zusammen mit seinem neuen Freund, dem pfiffigen Lukar, macht er eine komödiantische Nummer aus dem Auftritt. Die beiden, von Statur wie Dick und Doof, werden gefeiert. Doch war`s das, was er so sehr wollte: den Hanswurst geben?

Sprecher: Ueli Jäggi - Lesefassung und Regie: Mark Ginzler - Produktion: SRF 2013 - Dauer: 46'

Redaktion: Mark Ginzler