«Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge» von Rainer Maria Rilke 9/9

Ein grossartiger Vorleser interpretiert die Prosa eines grossen Lyrikers: Gert Westphal liest den einzigen Roman von Rainer Maria Rilke. Der vielschichtige Text von 1910 markiert den Durchbruch zur literarischen Moderne. Seine bildstarke Sprache ist eine Herausforderung für den Leser und die Hörer.

Gert Westphal
Bildlegende: Gert Westphal 1995 in seiner Wohnung in Thalwil. Keystone

Noch einmal ruft Malte die Liebenden und die Geliebten an, im Namen der griechischen Dichterin Sappho, die mit ihrer «Schmucksprache» die Liebe in all ihrer Pracht und Einsamkeit zum Ausdruck gebracht hatte. Malte erinnert sich an einen herbstlichen Venedig-Aufenthalt mit Abelone, seiner älteren Geliebten. An jenen Moment, als sie aus der Stille heraus anfängt, ein Liebeslied vorzutragen so als würde sie zu Gott singen, aber ohne Verbindung zu ihm. Das bringt Malte schliesslich dazu, die Legende vom verlorenen Sohn zu erzählen, in einer radikalen Neu- und Umdeutung, die andeutet, was das sein könnte: das Zur-Welt-kommen, Zu-Gott-Kommen, Zu-sich-Kommen: in der Liebe.

Sprecher: Gert Westphal - Produktion: SRF 1973 Dauer: 41‘

Redaktion: Reto Ott