«Ich nannte ihn Krawatte» von Milena Michiko Flašar 3/10

« Sonderbare Genugtuung. Ich kann das noch, mich jemandem vorstellen. » Hiro hat die ersten Worte mit Ohara gewechselt. Auch Ohara hat sich geöffnet und Hiro den Grund seiner Parkaufenthalte anvertraut: Er ist arbeitslos geworden und hat seiner Frau Kyoko nichts davon erzählt.

Leute laufen an einem Mann vorbei, der am Shinjuku Bahnhof in Tokyo steht.
Bildlegende: Hiro wagt sich wieder unter Menschen. Reuters

Wenn ein Damm bricht, sind die Wassermassen nicht aufzuhalten. So fühlt sich Hiro, als er zu erzählen beginnt. Von seinem Freund Kumamoto, dem Dichter und dessen Traum vom perfekten Gedicht. Von seiner Bewunderung für Kumamoto und das Vertrauen, das er seinem heiteren Wesen entgegenbrachte. Vom mühevollen Erwachsenwerden, das im Selbstmord endet. Hiro erzählt und erzählt von seiner Zeit als Hikikomori. « Diese Erleichterung: man muss keinen Beitrag mehr leisten. Endlich gesteht man sich ein, dass einem die Welt vollkommen gleichgültig ist. »

Mit: Stefan Roschy (Hiro), Hanspeter Müller-Drossaart (Ohara)

Regie: Margret Nonhoff - Produktion: SRF 2016 - Dauer 27‘

Aus urheberrechtlichen Gründen können wir Ihnen die Lesung nur bis zum 21. Juni 2016 zum Nachhören anbieten.

Redaktion: Margret Nonhoff