«Schweizerspiegel» Lesung in Auszügen von Meinrad Inglin 1/8

Meinrad Inglin (1893-1971) löste mit seinem ersten Roman «Die Welt in Ingoldau» (1922) einen handfesten Skandal aus. Die Schwyzer empörten sich über dieses ungeschönte Dorfportrait. Das Buch wurde beschimpft.

Ansicht des Hauses Metropol in Zürich am Stadthausquai
Bildlegende: Meinrad Inglin zeichnet ein Sittengemälde und historisches Panorama der Schweiz zur Zeit des Ersten Weltkrieges. Wikimedia

Der Dorfwirt verbot Inglin sein Wirtshaus, Dorfbewohner bewarfen ihn mit Steinen. Der Autor musste nach Zürich fliehen, bis sich die Lage etwas beruhigt hatte.

Inglin liess sich nicht zum Schweigen bringen. Weitere Romane folgten. Er wurde zur auch international beachteten literarischen Stimme der deutschen Schweiz in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Der «Schweizerspiegel» (1938) ist Inglins wichtigstes Werk. Der Roman behandelt in der Form einer grossangelegten Zürcher Familiengeschichte den Zustand und die Befindlichkeit der Schweiz in der Zeit des ersten Weltkriegs 1914-1918. Liberale, sozialistische, nationalistische Strömungen sowie die Spannungen zwischen Welschen und Deutschschweizern fliessen kunstvoll gestaltet in den Roman ein.

SRF2 Kultur ermöglicht mit der Lesung aus dem «Schweizerspiegel» einen literarischen Einblick in die Zeit vor 100 Jahren, fokussiert auf die Geschichte der wohlhabenden Familie Amann aus Zürich.

Sprecher: Hanspeter Müller-Drossaart Produktion SRF 2014 Dauer 39‘

Meinrad Inglin (1893-1971) wurde in Schwyz geboren, wo er auch lebte und starb. Nach abgebrochenen Berufsausbildungen als Uhrenmacher und Kellner studierte er ohne Matura Literaturgeschichte und Psychologie in Genf, Neuenburg und Bern. Er arbeitete als Redaktor und Journalist und lebte ab 1923 als freier Schriftsteller in Schwyz. Er wurde mit dem Schillerpreis und dem Gottfried Keller Preis ausgezeichnet und erhielt die Ehrendoktorwürde der Universität Zürich.

Xavier Koller verfilmte Inglins Erzählungen «Der schwarze Tanner» (1985) sowie «Begräbnis eines Schirmflickers» («Das gefrorene Herz» 1979). Inglins Mundartkomödie «Chlaus Lymbacher» (1944) wurde in einer Adaption von Thomas Hürlimann 1990 am Zürcher Schauspielhaus aufgeführt.

Die Lesung von «Schweizerspiegel» in Auszügen ist ab Spätsommer 2014 als Hörbox im Christoph Merian Verlag erhältlich.

Redaktion: Geri Dillier