Abtauchen in ferne Lebenswelten

Liebe ist kompliziert. Das war die eher beunruhigende Bilanz nach den ersten Recherchetagen zum Film. Drei Paare mit unterschiedlichen Lebenswegen hatten sich bereit erklärt, mir Ihre Liebesgeschichten zu erzählen. Also jenen Teil ihrer gemeinsamen Geschichte, der persönlicher nicht sein könnte.

Von Ivana Imoli

Ivana Imoli, die Autorin.

Bildlegende: Ivana Imoli Autorin SRF

Als ich Babs und Jonny zum ersten Mal traf, begegnete ich zwei geerdeten Menschen. Die beiden strahlten eine tiefe Zufriedenheit aus. Ich hatte den Eindruck, das Glück sitze mir gegenüber. Als die beiden dann nach und nach ihre Erlebnisse miteinander erzählten, wunderte ich mich. Ihre Geschichte ist wie der Stoff, aus dem Hollywood-Drehbücher gemacht werden, romantisch und dramatisch. Eine junge Teenagerliebe bricht ihr das Herz. Er ist sich dessen nicht bewusst, spürt aber, dass er zeitlebens etwas vermisst.

Es dauerte 40 Jahre bis sie zueinander fanden

Babs uns Jonny

Bildlegende: Babs uns Jonny SRF

Was mich besonders beeindruckte, war, dass den beiden das späte Glück nicht einfach zufiel. Vor allem Babs musste einen schwerwiegenden Entscheid fällen und ihr bisheriges Leben auf den Kopf stellen. Babs und Jonny gingen für ihre Liebe ein beträchtliches Risiko ein. Ihre Geschichte inspirierte mich zum Titel meines Films: «Das Glück hat seinen Preis.»

Das Vertrauen der Paare ist ein Auftrag

Auch Connie und Ruedi kämpften für ihre Liebe. Als ich zusammen mit meinem Kameramann Roberto Antonilli für drei Tage nach Interlaken reiste, tauchten wir ab in eine rurale Lebenswelt, die uns als urban geprägte Leute nahezu unbekannt war.

Conny und Ruedi mit Motorradhelm.

Bildlegende: Connie und Ruedi SRF

Connie und Ruedi sind nicht Menschen der grossen Worte. Das machten mir die beiden gleich bei unserem ersten Gespräch klar. Ich hätte auf dem Absatz umkehren müssen. Ein Film mit Protagonisten, die es sich nicht gewohnt sind zu erzählen, funktioniert nicht. Ich entschied mich anders und bin heute glücklich darüber. Ruedi sagte mir nach dem rund anderthalb stündigen Interview: «Ich habe noch nie so lange mit jemandem über persönliche Dinge gesprochen.» Dieses Vertrauen ist ein Auftrag, dem ich hoffentlich gerecht werden kann.

Besser als jeder Liebesroman

Ainara und Thomas

Bildlegende: Ainara und Thomas SRF

Und dann sind da noch Ainara und Thomas. Eine schweizerisch-spanische Liebe mit fast allen Ingredienzien eines Rosamunde-Pilcher-Romans. Nur ist das wahre Leben in diesem Fall besser. Als ich Thomas und Ainara in einem Zürcher Vorort zum ersten Mal begegnete, traf ich auf ein Paar, das sich erst wieder finden musste. Beide hatten eine schwere Zeit hinter sich, unabhängig voneinander. Zwei verletzte Seelen, ging es mir durch den Kopf. Ich zweifelte, ob die beiden für den Film geeignet waren. Zu frisch schien mir alles, der Ausgang dieser Liebesgeschichte offen. Ich entschied mich trotzdem für die beiden. Die Überraschungen blieben nicht aus.

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