Ein wettertechnisches und ein rechtliches Problem

Für die Dreharbeiten wünschten wir uns sonnige Tage und kämpften dann mit zu viel Sonne. Und filmen, was wir filmen wollten, durften wir auch nicht immer. Ein Making-of von Filmautorin Monika Schärer.

Filmautorin Monika Schärer hält den Sonnenschutz für Kamerafrau Nathalie Kamber.

Bildlegende: Sonnenschutz Filmautorin Monika Schärer hält den Sonnenschutz für Kamerafrau Nathalie Kamber. SRF

Der Lärm des Presslufthammers

Ende August filmten wir für die zweite Folge von «Liebe auf Umwegen». Ich hoffte inständig, der Traumsommer 2015 würde noch eine Weile anhalten. Täglich schaute ich mir die SRF-Meteo-Prognosen an. Es sah gut aus. Der Himmel war wolkenlos als wir am Mittwoch bei Sonja und Beat zuhause auf dem Mutschellen eintrafen. Auch die Bauarbeiter von der Grossbaustelle vis-à-vis nutzten die idealen Bedingungen. Der Lärm des Presslufthammers war ohrenbetäubend. Das geplante Interview mit Sonja auf der Veranda verlegten wir kurzerhand in ihren Beautysalon.

Kamerafrau Nathalie Kamber, Tonmann Benoit Barraud und Regisseurin Monika Schärer.

Bildlegende: Making of Kamerafrau Nathalie Kamber, Tonmann Benoit Barraud und Regisseurin Monika Schärer. SRF

Zu viel Sonne

Nach einem gemeinsamen Mittagessen auf der Terrasse suchten wir nach einem passenden Ort für das Gespräch mit Beat. Er fuhr uns stolz auf seiner Harley voraus. Auf einer Anhöhe bei einem Baum entdeckten wir den perfekten Drehort. Ein bisschen sah es aus wie im amerikanischen Wisconsin, wo Beat jahrelang gelebt hatte.

Inzwischen war es fünf Uhr nachmittags. Das Licht wurde von Minute zu Minute stimmungsvoller. Wir positionierten den Töff, stellten die Kamera und Reflektor auf, installierten den Ton und waren bereit. Doch die strahlende Sonne entpuppte sich als Spielverderber. Beat war derart geblendet, dass er permanent die Augen zusammenkniff. So kann man kein persönliches Gespräch führen! Es blieb uns nichts anderes übrig, als die perfekte Position einzutauschen gegen die zweitbeste.

Sonja und Beat.

Bildlegende: Magic Hour Sonja und Beat. SRF

Magic Hour

Für die Aufnahme der Romantik-Bilder mit Sonja und Beat im Gegenlicht, war das kitschige Abendlicht – die sogenannte Magic Hour – dann perfekt. Am Bodensee filmten wir mit den beiden Verliebten. Sie lernten sich vor dreissig Jahren auf einem Segelschiff in der Karibik kennen. Nach einem grossen Umweg und um viele Erfahrungen weiser, haben sie sich wieder gefunden.

Kamerafrau Nathalie Kamber und Filmautorin Monika Schärer machen Makro-Aufnahmen

Bildlegende: Im Schulzimmer Kamerafrau Nathalie Kamber und Filmautorin Monika Schärer machen Makro-Aufnahmen. SRF

Ein Drehverbot

Ein paar Tage später folgten die Dreharbeiten mit Claudia und Roger im Schulhaus in Riehen und im Gartenrestaurant Bad Bubendorf. Der Sommer in seiner vollen Pracht hatte sich inzwischen verabschiedet. Aber diesmal erschwerte uns nicht das Wetter den Dreh, sondern rechtliche Belange. Wir wollten Aufnahmen machen von Roger und Claudia zu Besuch bei Susi. Susi war fast dreissig Jahre lang die Lebenspartnerin von Roger. Heute leidet sie an Demenz und lebt in einem Pflegeheim. Für die Filmaufnahmen brauchten wir die Einwilligung der Heimleitung. Diese wiederum verlangte die Einwilligung von Susis Tochter.

Statue im Gartenrestaurant.

Bildlegende: Symbolbild Statue im Gartenrestaurant. SRF

Susi darf nicht zu sehen sein

Auf Anfrage gab sie uns ihr Okay mit der Auflage, Susi dürfe nicht im Bild sein. Für Filmaufnahmen eine geradezu unmögliche Situation! Ich fragte nach, ob wir Susi aus der Ferne filmen dürften, unkenntlich, verschwommen? «Nein», schrieb die Tochter unmissverständlich zurück, Susi dürfe in keiner Weise im Film zu sehen sein. Wir änderten also kurzfristig unseren Drehplan und verzichteten gänzlich auf die Aufnahmen im Pflegeheim. Im Film gibt es nun also kein Bild und kein Foto von Susi. Aber was im ersten Moment ärgerlich ist, entpuppte sich beim genauen Hinsehen als Vorteil: Wir können uns Susi nun so vorstellen, wie wir möchten.

Video «Lehrerin Martha Ryf über das Wiedersehen mit Claudia und Roger» abspielen

Lehrerin Martha Ryf über das Wiedersehen mit Claudia und Roger

1:41 min, vom 28.10.2015

Ein Film von Monika Schärer

    • Monika Schärer

      Bildlegende: Monika Schärer SRF/Oscar Alessio

      Zur Autorin

      Monika Schärer begann ihre journalistische Karriere 1989 als Moderatorin und Redaktorin beim damaligen Radio DRS 3. 1994 wechselte sie zum Schweizer Fernsehen, wo sie unter anderen die Sendungen «NeXt», «einfach luxuriös», «Einstein» und «Box Office» präsentierte.

      Homepage von Monika Schärer

Sendung zu diesem Artikel