Schicksal und Wunder: Der Literaturclub im Juni

Nicola Steiner, Elke Heidenreich, Milo Rau und – als Gast – die Publizistin Carolin Emcke diskutieren im Juni über J.D. Vance: «Hillbilly-Elegie», Ulrike Edschmid: «Ein Mann, der fällt», Natascha Wodin: «Sie kam aus Mariupol» und J.L. Carr: «Wie die Steeple Sinderby Wanderers den Pokal holten».

Die «Hillbilly-Elegie» des 32-jährigen Anwalts J.D. Vance ist Biografie und Sozialreportage. Sie berichtet vom schwierigen Aufwachsen im «Rust Belt», der grössten Industrieregion der USA – und ist inzwischen berühmt als Trump-Erklärbuch.

Ulrike Edschmid verknüpft in «Ein Mann, der fällt» ein persönliches Schicksal mit der Zeitenwende in Berlin. Natascha Wodin macht sich in ihrem preisgekrönten Buch «Sie kam aus Mariupol» auf Spurensuche nach ihrer Mutter – und erzählt so die Geschichte russischer Zwangsarbeiter. Und 40 Jahre nach Erscheinen gibt es das vergnügliche Fussballmärchen «Wie die Steeple Sinderby Wanderers den Pokal holten» von J.L. Carr endlich auf Deutsch.

Beiträge

  • «Wie die S.S.W. den Pokal holten» von J.L. Carr (Dumont)

    Die Amateurmannschaft eines kleinen Dorfes arbeitet sich hoch bis zum englischen Cup-Final – und tritt gegen die grossen Glasgow Rangers an. Dieses versponnene Fussballmärchen entsprang schon 1975 der Phantasie des englischen Schriftstellers J.L. Carr. Mehr als 40 Jahre später ist es nun als deutsche Übersetzung erhältlich. «Wie die Steeple Sinderby Wanderers den Pokal holten» ist ein Fussballbuch, das nur nebenbei vom Ballsport erzählt: Liebevoll ironisch widmet sich Carr, der seine Bücher stets selbst verlegte, dem Leben in der Provinz und der Hysterie der Medienbranche.

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  • «Hillbilly-Elegie» von J.D Vance (Ullstein)

    Der 32-jährigen J.D. Vance erklärt in seiner Autobiografie, wie Donald Trump als Präsident möglich wurde. So ist dies für viele eines der erhellendsten Bücher dieses Jahres. Der Autor stammt aus einer Unterschichts-Familie, die sich stolz als «Hillbillies» bezeichnet – Hinterwäldler, Jogginghosen-Träger aus den Appalachen. In den Kohle- und Stahlminen Ohios finden sie zunächst ein gutes Auskommen. Doch die Gegend ist zunehmend von Niedergang und Drogensucht geprägt. Vance’ Mutter war ein Junkie, er selbst schaffte es an die Elite-Universität Yale und so den Weg von ganz unten nach oben.

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  • «Brand New Ancients» von Kate Tempest (Suhrkamp)

    Kate Tempest ist Dichterin, Rapperin, Theaterautorin, Romanautorin – und in allen Sparten gleichermassen überzeugend. Für ihre Spoken-Word-Performance «Brand New Ancients» erhielt sie bereit 2013 den renommierten «Ted-Hughes-Award», als erste Person unter 40. Nun ist der Text in einer zweisprachigen Ausgabe erschienen. Kate Tempest findet die antiken Götter von heute im Süden Londons, dort, wo sie selbst aufgewachsen ist. Und schleudert dem Konsumwahn, dem Kapitalismus und dem Zynismus ihre Wortgewalt entgegen.

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  • «Ein Mann, der fällt» von Ulrike Edschmid (Suhrkamp)

    Ein frisch verliebtes Paar beschliesst zusammenzuleben – in einer geräumigen Altbauwohnung in West-Berlin. Doch beim Renovieren fällt der Mann von der Leiter und ist querschnittsgelähmt, bevor ihr gemeinsames Leben richtig begonnen hat. Die deutsche Autorin Ulrike Edschmid erzählt in nüchterner Sprache die Geschichte dieses Paares, das auf eine schwere Probe gestellt wird und zusammen bleibt – und sie beschreibt nebenbei das sich wandelnde Berlin, mit dem Fall der Mauer und der folgenden Gentrifizierung.

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  • «Sie kam aus Mariupol» von Natascha Wodin (Rowohlt)

    Für diesen Roman, in dem sie ihre Familie erkundet, wurde Natascha Wodin mit dem Leipziger Buchpreis geehrt. Es ist zunächst die Suche nach der eigenen Mutter, die als russisch-ukrainische Zwangsarbeiterin nach Deutschland verschleppt worden war. Am Anfang tippt die Autorin deren Namen auf Kyrillisch in eine Suchmaschine – und findet sie tatsächlich. So beginnt sie ihr Leben und das ihrer Familie Schritt für Schritt zu erforschen. Diese Spurensuche führt uns in die Vergangenheit – kreuz und quer durchs 20. Jahrhundert.

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  • Die Buchempfehlungen unserer Kritiker

    «Unsere Seelen bei Nacht» von Kent Haruf (Diogenes) / «Hundert Zeilen Hass» von Maxim Biller (Tempo) / «Sehen wir uns noch?» von Ryszard Krynicki (Hanser) / «Denn mein Herz ist frisch gebrochen» von Dorothy Parker (Dörlemann) / «Harry Rowohlt erzählt sein Leben...» Harry Rowohlt (Tiamat) / «Der Report der Magd» Margaret Atwood (Piper)

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