Sehen lernen: der Literaturclub im Februar

  • Dienstag, 6. Februar 2018, 22:25 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 6. Februar 2018, 22:25 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 7. Februar 2018, 2:40 Uhr, SRF 1
    • Mittwoch, 7. Februar 2018, 11:00 Uhr, SRF info
    • Mittwoch, 7. Februar 2018, 16:40 Uhr, SRF info
    • Donnerstag, 8. Februar 2018, 3:55 Uhr, SRF 1
    • Donnerstag, 8. Februar 2018, 12:45 Uhr, SRF info
    • Freitag, 9. Februar 2018, 9:55 Uhr, SRF info

Nicola Steiner, Elke Heidenreich, Hildegard Keller und – als Gast – der Politiker Gerhard Pfister diskutieren über «Die Ermordung des Commendatore I» von Haruki Murakami, «Die schöne Fanny» von Pedro Lenz, «Rot vor Augen» von Lina Meruane und «Die Obstdiebin» von Peter Handke.

Das neue Werk des japanischen Kult-Autors Haruki Murakami erreicht seine Leser in zwei Teilen. Kurz nach seinem Erscheinen debattiert der Literaturclub über «Die Ermordung des Commendatore I». Pedro Lenz’ Mundartroman über die Oltener Bohème gibt es inzwischen als «Die schöne Fanny» in einer hochdeutschen Übersetzung. Die chilenische Autorin Lina Meruane erzählt in ihrem autobiografisch inspirierten Roman die Geschichte einer Erblindung von heute auf morgen. Und Peter Handke hat mit «Die Obstdiebin» sein «Letztes Epos» veröffentlicht – einen poetischen Streifzug durch die Picardie.

Beiträge

  • «Die schöne Fanny» von Pedro Lenz (Kein & Aber)

    Auf Mundart erschienen ist Pedro Lenz’ «Di schöni Fanny» vor zwei Jahren – nun ist die vergnügliche Geschichte aus der Oltner Bohème von Raphael Urweider ins Hochdeutsche übertragen worden. Jackpot, die schriftstellernde Hauptfigur, räsoniert mit seinen zwei Malerfreunden über das Wesen der Kunst, über Freundschaft und Eifersucht. Alle kreisen sie um dieselbe Muse, die junge Fanny aus Zofingen, das Zentrum dieses sympathischen Biotops aus Beizen und Ateliers. Der Stoff wird bereits verfilmt und bestimmt ein Erfolg. Aber funkelt Pedro Lenz’ Sprache auch ohne Mundart?

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  • «Der letzte Schnee» von Arno Camenisch (Verlag Urs Engeler)

    Arno Camenisch ist berühmt für seine literarischen Miniaturen über die Menschen aus seiner Bündner Heimat. Im neuesten Buch «Der letzte Schnee» wartet das Gespann Paul und Georg auf den grossen Schnee. Ähnlich wie zwei Beckett-Figuren harren die beiden alternden Bergler an einem Schlepplift aus und hoffen auf die guten alten Zeiten. In aller Poesie beschreibt Camenisch das langsame Verschwinden des Bergtourismus – und führt damit gerade die Bestseller-Liste in der Schweiz an.

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  • «Die Ermordung des Commendatore » von Haruki Murakami (DuMont)

    Haruki Murakami – er ist Kult-Autor und ewiger Nobelpreis-Kandidat. Nun meldet er sich zurück mit einem zweiteiligen Roman und erzählt das Leben eines Porträtmalers in der Krise, der auf einem Dachboden ein Gemälde findet. Es eine Szene aus Mozarts «Don Giovanni». Darin meint der Maler auch sein eigenes Schicksal dargestellt zu sehen. Murakami erzählt surreal und voller kultureller Bezüge. Manchmal schildert er identisches Geschehen gleich zweimal, mit fast denselben Worten. Ist das ein erhellendes Leseerlebnis oder ausufernde Zeitverschwendung?

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  • «Die Obstdiebin» von Peter Handke (Suhrkamp)

    Ein Bienenstich steht am Anfang einer poetischen Reise von Handkes Wahlheimat Paris an den Ort seiner Sehnsucht, die Picardie. Zu seinem 75. Geburtstag legt der Dichter ein meditatives Werk vor, zeigt sich nochmals als einsamer Weltenwanderer. Er feiert das Erzählen in einem Roman, der auf Handlung, Psychologie oder Konflikte verzichtet. Wenn Handke seitenlang das Enthäuten einer Nuss beschreibt: Ist diese altmodische Dichtung nostalgisch, eine Flucht vor der Wirklichkeit? Oder gerade zeitgemäss, da die Leser eine Welt jenseits unseres atemlosen und effizienzbesessenen Zeitgeists betreten?

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  • «Rot vor Augen» von Lina Meruane (Arche)

    Eine Frau wird blind – von einer Sekunde auf die andere, als sie auf einer Party in New York den Raum des Geschehens verlässt. Sie sieht rot, dann schwarz und am Ende nur noch Schemen. «Rot vor Augen» ist die Geschichte von Lina, die ihren Vornamen mit der Autorin teilt. In kürzesten Kapiteln erzählt die Chilenin Lina Meruane ihren Roman, inspiriert von ihrer eigenen zeitweisen Erblindung. Darin beschreibt Meruane so kunstvoll wie kraftvoll, wie sie ihren Blick von aussen nach innen richten muss - wie es ist, wenn Gerüche, Klänge und Erinnerungen die Sehkraft ersetzen.

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  • Die Buchempfehlungen unserer Kritiker

    «Die Zweisamkeit der Einzelgänger» von Joachim Meyerhoff, Kiepenheuer & Witsch (Elke Heidenreich), «Der Reisende» von Ulrich Alexander Boschwitz, Klett-Cotta (Hildegard Keller), «Die Liebeshandlung» von Jeffrey Eugenides, Rowohlt (Gerhard Pfister), «Die Dame mit dem maghrebinischen Hündchen» von Dana Grigorcea, Dörlemann (Nicola Steiner)