Unterwegs sein: Der Literaturclub im Juni

Nicola Steiner, Milo Rau, Philipp Tingler und – als Gast – die Journalistin Simone Meier diskutieren über «Kudos» von Rachel Cusk, «Die Tagesordnung» von Eric Vuillard, «Der Tod ist ein mühseliges Geschäft» von Khaled Khalifa und «Töchter» von Lucy Fricke.

Rachel Cusk hat mit «Kudos» ihre vielbeachtete Romantrilogie beendet. Darin begegnen die Leser einer ungewöhnlichen Ich-Erzählerin, die vor allem andere zum Reden bringt.

Der syrische Schriftsteller Khaled Khalifa ist eine neue gewichtige literarische Stimme der arabischen Welt. Sein tragikomischer Roman beschreibt eine Reise durch sein kriegserschüttertes Heimatland.

Eric Vuillards Roman hat mit dem «Prix Goncourt» die wichtigste literarische Auszeichnung Frankreichs erhalten. Und in Lucy Frickes «Töchter» begeben sich zwei Freundinnen und ein alter Mann auf den Weg in die Schweiz.

Gast der Sendung ist die Journalistin Simone Meier.

Beiträge

  • «Kudos» von Rachel Cusk (Suhrkamp)

    Rachel Cusk kehrt Persönlichstes nach aussen. Mutterschaft, Ehe und Scheidung hat die Engländerin – ähnlich wie der Norweger Knausgård – in früheren Werken vor der Leserschaft ausbuchstabiert. Zuletzt schrieb sie eine Roman-Trilogie, deren Abschluss «Kudos» nun mit Spannung erwartet wird. Hier erscheint ein anderer Typ Erzählerin. Diese verstummt fast vollständig und bringt durch ihr Zuhören andere Figuren zum Reden. Manchen entdecken in dieser literarischen «Oral History» eine neue Form von Roman. Entsteht in diesem Mosaik von Fragmenten tatsächlich eine stringente Geschichte?

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  • «Die Tagesordnung» von Éric Vuillard (Matthes & Seitz)

    Éric Vuillard hat für seinen Roman die höchste literarische Auszeichnung Frankreichs erhalten: den «Prix Goncourt». «Die Tagesordnung» beginnt mit einem von Adolf Hitler einberufenen Geheimtreffen wenige Tage vor dessen Machtergreifung im Jahr 1933. Dabei sichert sich Hitler von Vertretern der deutschen Industrie wie Krupp, Opel und Siemens die finanzielle Unterstützung für seine entscheidende Wahlkampagne. Vuillard ist auch Filmemacher, er schreibt in «Nahaufnahmen» und «Totalen». Gelingt es ihm in seinem schmalen Buch, in wenigen Momenten die Geschichte des Nationalsozialismus zu erzählen?

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  • «Der Tod ist ein mühseliges Geschäft» von K. Khalifa (Rowohlt)

    Khaled Khalifa ist eine gewichtige Stimme in der arabischen Literatur. Für ihn ist es keine Option, ausserhalb seines Heimatlandes Syrien zu leben und zu arbeiten. In seinem neuesten Roman beschreibt er die bedrückende Realität des kriegszerstörten Landes – wo sein Buch nicht erscheinen darf – mit finsterem Humor. Dabei wählt er das Mittel der Groteske: drei Geschwister fahren mit der Leiche ihres Vaters quer durchs Land. Sie wollen seinem letzten Willen die Ehre erweisen und ihn im Heimatdorf bestatten. Wie gelingt es Khaled Khalifa, so leichtfüssig über das heutige Syrien zu schreiben?

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  • «Töchter» von Lucy Fricke (Rowohlt)

    Lucy Frickes Freundschaftsroman «Töchter» handelt von Kinder-Eltern-Beziehungen und der Suche nach dem gelungenen Leben. Die Berlinerinnen Betty und Martha machen sich auf, Marthas todkranken Vater auf seiner Reise zum Sterben in der Schweiz zu begleiten. So trist und zielgerichtet diese literarische Reise beginnt, so heiter und überraschend führt sie nach vielen Wendungen bis nach Italien und Griechenland. Ist diese skurrile Irrfahrt zwischen Leicht- und Tiefsinn so geglückt, wie die meisten Kritiker meinen? Eine ideale Lektüre für den Sommer?

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  • Die Buchempfehlungen unserer Kritiker

    «Chaos» von Fabian Scheidler, Promedia (Milo Rau) / «Bouvard und Pécuchet» von Gustave Flaubert, Wallstein (Philipp Tingler) / «Die Kameliendame» von Alexandre Dumas, (z.B.) S. Fischer ;«Madame Bovary» von Gustave Flaubert, (z.B.) dtv; «Fräulein Else» von Arthur Schnitzler, (z.B.) S. Fischer (Simone Meier), «Hundert» von Heike Faller/Valerio Vidali, Kein & Aber (Nicola Steiner)

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