Zwischen Welten: der Literaturclub im Dezember

  • Dienstag, 19. Dezember 2017, 22:25 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 19. Dezember 2017, 22:25 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 20. Dezember 2017, 1:35 Uhr, SRF 1
    • Mittwoch, 20. Dezember 2017, 11:00 Uhr, SRF info
    • Mittwoch, 20. Dezember 2017, 16:40 Uhr, SRF info
    • Donnerstag, 21. Dezember 2017, 3:55 Uhr, SRF 1
    • Donnerstag, 21. Dezember 2017, 12:45 Uhr, SRF info
    • Freitag, 22. Dezember 2017, 9:55 Uhr, SRF info
    • Samstag, 23. Dezember 2017, 14:05 Uhr, SRF info

Nicola Steiner, Milo Rau, Thomas Strässle und – als Gast – die Schauspielerin Stephanie Japp diskutieren über Melinda Nadj Abonji: «Schildkrötensoldat», Zadie Smith: «Swing Time», Richard Ford: «Zwischen ihnen» und Emmanuelle Bayamack-Tam: «Ich komme».

Im neuen Roman von Zadie Smith versuchen zwei tanzverrückte Mädchen aus einem schwarzen Armenviertel Londons ihrer Herkunft zu entkommen. Emmanuelle Bayamack-Tam erzählt von einer dicken, dunkelhäutigen Adoptivtochter, die gegen ihre lieblose Mutter wütet und bei den rassistischen Grosseltern im grossbürgerlichen Marseiller Generationenhaus Trost findet. Der amerikanische Starschriftsteller Richard Ford bereist den fremden Planeten seiner eigenen Eltern, und die Schweizer Autorin Melinda Nadj Abonji schickt einen jungen versponnenen Epileptiker als «Schildkrötensoldat» in Serbien durch die Hölle.

Pünktlich zum Fest der Liebe machen neue Übertragungen von mittelalterlichen Gedichten die Kunst des Minnesangs für uns möglich: «Unmögliche Liebe» heisst der Band.

Die Bücher der Sendung sind:

  • «Schildkrötensoldat» von Melinda Nadj Abonji (Suhrkamp)
  • «Swing Time» von Zadie Smith (Kiepenheuer & Witsch)
  • «Zwischen ihnen» von Richard Ford (Hanser Berlin)
  • «Ich komme» von Emmanuelle Bayamack-Tam (Secession)
  • «Unmögliche Liebe» herausgegeben von Jan Wagner und Tristan Marquardt (Hanser)

Gast der Sendung ist die Schauspielerin Stephanie Japp.

Beiträge

  • «Swing Time» von Zadie Smith (Kiepenheuer & Witsch)

    Zwischen Armut und Vorurteilen ringen zwei dunkelhäutige junge Freundinnen um die Verwirklichung ihrer Träume. Ihre Leidenschaft gehört dem Tanz. Mit entfesselter Energie versuchen sie, den familiären Dramen ihrer Herkunft in einem armen Aussenviertel Londons zu entkommen. Tracey schafft es, Tänzerin zu werden, während die Ich-Erzählerin als Assistentin einer berühmten Popdiva Luxus und Privilegien geniesst. Doch als sie für ihre Arbeitgeberin in Afrika ein Entwicklungsprojekt aufbauen soll, gerät ihr Leben ausser Kontrolle. Zwischen den ehemaligen Freundinnen tun sich unerwartete Fronten auf.

  • «Ich komme» von Emmanuelle Bayamack-Tam (Secession)

    Adoptivtochter, Mutter und Grossmutter – drei Frauen unter demselben grossbürgerlichen Familiendach in Marseille sind auf ihre Weise wütend und gnadenlos grausam zueinander. Adoptivtochter Charonne ist übergewichtig und als Einzige von dunkler Hautfarbe. Entsetzt über ihre Entwicklung versuchen ihre Adoptiveltern vergeblich, Charonne ins Heim zurückzugeben. Fehlende Zuneigung und penetranter Rassismus machen Charonnes Leben zur Hölle – aber sie schiesst scharf zurück. Die drei Frauen kommentieren aus je eigener Perspektive ihr von Wohlstand und Beziehungslosigkeit verwahrlostes Umfeld.

  • «Schildkrötensoldat» von Melinda Nadj Abonji (Suhrkamp)

    Der junge Zόltan ist Epileptiker und lebt in einem kleinen Dorf in der Vojvodina. Seine Fantasiewelt besteht aus Wörtern, Buchstaben und Sprache – er ist der «König aller Kreuzworträtsel». Die Bäckerlehre scheitert; sein Lehrmeister hält ihn für dumm und verprügelt ihn nach jedem Ungeschick. Zu Beginn des jugoslawischen Bürgerkriegs Anfang der 90er Jahre schicken ihn Zόltans Eltern in die jugoslawische Volksarmee, wo er zum Mann werden soll. – Jahre später reist seine Cousine Anna aus der Schweiz in ihre alte Heimat, um den Spuren von Zόltans Leben und Sterben zu folgen.

  • «Zwischen ihnen» von Richard Ford (Hanser Berlin)

    Richard Ford widmet ein kleines, zurückhaltendes Doppelporträt seinen eigenen Eltern. Der Vater, der Handlungsreisende Parker Caroll Ford, fährt durch die Provinz der amerikanischen Südstaaten und verkauft Wäschestärke, seine Frau Edna begleitet ihn. Sie übernachten in Motels, führen ein Nomadenleben inmitten der aufkommenden Grossen Depression. Später wartet sie mit dem kleinen Richard, ihrem einzigen Kind, zu Hause auf ihn. Der Autor erinnert sich, zweifelt, versucht zu verstehen und aus der Erinnerung ihre Lebens- und Liebesgeschichte zu rekonstruieren.

  • «Unmögliche Liebe – Die Kunst des Minnesangs ...» (Hanser)

    Liebeslieder waren schon im Mittelalter modern: Der Minnesang ist die ritterlich-höfische Liebeslyrik, mit der die Ritter Damen ihre Aufwartung machten oder ihre Liebe zu Gott besangen. Lyriker wie Durs Grünbein oder Nora Gomringer haben nun bekannte Minnelieder aus dem Mittelhochdeutschen auf eigenwillige Weise in unser modernes Deutsch übertragen und sie so in unsere Zeit geholt. Der Lyriker Jan Wagner und der Mediävist Tristan Marquardt sind die Herausgeber dieses ambitionierten Bandes.

  • Die Buchempfehlungen der Kritiker

    Milo Rau gefällt das neue Sachbuch von Robert Pfaller mit dem Titel: «Erwachsenensprache». Thomas Strässle empfiehlt Philipp Bloms «Was auf dem Spiel steht», weil hier historische Zusammenhänge auch in die Zukunft gedacht sind. Stephanie Japp liebt Gedichte, und ganz besonders jene von Dorothy Parker, der grossen New Yorker Schriftstellerin, die vor 50 Jahren gestorben ist: «Denn mein Herz ist frisch gebrochen». Nicola Steiner empfiehlt Neuinterpretationen des antiken römischen Dichters Ovid.