Jessi Habegger: Eine Weltmeisterin mit neuem Herzen

  • Sonntag, 31. Januar 2016, 15:03 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Sonntag, 31. Januar 2016, 15:03 Uhr, Radio SRF 1
  • Wiederholung:
    • Dienstag, 2. Februar 2016, 21:03 Uhr, Radio SRF 1

Am 9. September 2001 krachten zwei Flugzeuge in die Twin Towers in New York. Gegen 3000 Menschen verloren an 9/11 ihr Leben. Genau an diesem Tag erhielt die 16-jährigen Leistungsschwimmerin Jessi Habegger im Berner Inselspital ein neues Herz transplantiert und damit ein neues Leben.

Jessi Habegger mit Medaille vor Schwimmbad.
Bildlegende: Neues Herz – neues Leben: Jessi Habegger schwimmt heute wieder allen davon.. zvg

«Ich war topfit. Ich trainierte mehrmals pro Woche und war frisch in der Lehre, aber plötzlich bereitete mir das Treppensteigen Mühe. Das konnte doch nicht sein», erzählt Jessi Habegger heute, gut 14 Jahre später. Der Hausarzt schickte sie ins Berner Inselspital für eine Herzkatheter-Untersuchung. «Nach der Operation musste ich noch ein bisschen liegen bleiben», sagt die fröhliche Freiburgerin. «Als die Ärzte beim Rapport um mein Bett herum standen, stand mein Herz plötzlich still.» Sie habe ihren Herzstillstand zur richtigen Zeit, am richtigen Ort gehabt, sagt sie heute rückblickend.

Zwischen Leben und Tod
Jessi Habegger wurde an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen und verbrachte einen Monat zwischen Leben und Tod. Als sie das nächste Mal richtig wach war, schlug ein neues Herz in ihrer Brust. «Ich bin meinen Eltern heute sehr dankbar, dass sie sich für eine Transplantation ausgesprochen haben.»

Entscheiden konnte sie nicht, sie war in der Zeit nach dem Herzstillstand kaum ansprechbar. «Ich war dem Tod so nahe, dass dieses Licht vor mir erschien und ich wusste, jetzt ist mein Leben vorbei.» Da vernahm sie aber von Ferne die Stimme ihres Vaters: «Jessi, wir brauchen Dich hier noch.»

Neues Herz - neues Leben
Nach der Rehabilitation brach sie ihre Bürolehre ab und besuchte stattdessen eine Sporthandelsschule. Und sie zog auch ein Jahr später mit 17 Jahren zu Hause aus. «Meine Eltern hatten zu viel Angst um mich. Ich wollte aber unabhängig sein. Und meine drei jüngeren Geschwister hatten die Eltern nötiger.» Heute sagt sie, das sei der beste Entscheid gewesen.

Mehrfache Europameisterin und jetzt auch Weltmeisterin
Dem Sport ist sie bis heute treu geblieben. Obwohl sie heute sagt, dass sie damit eigentlich Raubbau an ihrem Körper begehen habe. Regelmässig trainiert sie als Schwimmerin. Ihr Bruder ist ihr Coach. Und sie schwimmt immer noch allen davon, bei den Europameisterschaften der Transplantierten. Und seit letztem Herbst auch als Weltmeisterin.

Bilder aus dem Leben einer Weltmeisterin

Gespielte Musik

Redaktion: Regula Zehnder