Jede Note sitzt: Ferruccio Busonis Fantasia contrappuntistica

Nicht nur Franz Schubert hat seine Unvollendete hinterlassen, auch Johann Sebastian Bach tat es: Seine Kunst der Fuge ist Fragment geblieben, der Contrapunctus XIV bricht mitten im Takt ab. So manchen Komponisten hat das dazu angestachelt, das Stück zu vollenden.

GrauSchumacher
Bildlegende: GrauSchumacher ZVG / Dietmar Scholz

Auch Ferruccio Busoni. An seine Frau schreibt er: «Jede Note sitzt! Heute ist der erste März. Ich hatte mir vorgenommen, diese Monstre-Fuge im Februar fertig zu machen und es ist gelungen, aber ich thue es nicht wieder!»

Das ist ein Entschluss, der sich bald ändern soll. In einer Art Nachrausch komponiert Busoni eine halbstündige «Fantasia contrappuntistica». Die Orchesterfassung kommt zwar nicht zustande, vorerst bleibt es bei der Klavierfassung. Einige Jahre später aber, 1922, bringt Busoni eine Fassung für zwei Klaviere heraus, um das kontrapunktische Dickicht transparenter zu machen.

Laut Alfred Brendel ist das Stück eine «monumentale Zusammenschmelzung von These und Antithese, Kontrapunkt und Phantasie, Bach und Busoni, ungeahnte Verfeinerung des Klavierklangs und barocke Unabhängigkeit von den Klangmitteln man wird vielleicht eine neue Sphäre der Instrumentalkunst vor sich ausgebreitet finden.»

Das GrauSchumacher Piano Duo beleuchtet diesen noch immer nicht sonderlich bekannten Klassiker der Moderne.

Gespielte Musik

Autor/in: Florian Hauser