«Tierkreis» von Karlheinz Stockhausen: Melodien der Sternzeichen

Karlheinz Stockhausen komponierte 1974 die zwölf Melodien der Sternzeichen für Spieluhren: ein Zyklus musikalischer Formeln für die zwölf Monate des Jahres, die zwölf Menschentypen, die zwölf Sternzeichen vom Wassermann bis zum Steinbock.

Eine Waage, ein Sternzeichen, ist abgebildet.
Bildlegende: Auch eine Melodie für die Waage gibt es. Wikimedia/Johannes Regiomontanus

«Beim Erfinden jeder Melodie dachte ich an das Wesen von Kindern, Freunden, Bekannten, die im betreffenden Sternzeichen geboren sind, und ich studierte die Menschentypen der Sternzeichen gründlicher. Jede Melodie ist jetzt in allen Massen und Proportionen im Einlang mit den Charakterzügen ihres Sternzeichens komponiert, und man wird viele Gesetzmäßigkeiten entdecken, wenn man eine Melodie oft hört und ihre Konstruktion genau betrachtet.»

Der Posaunist Mike Svoboda, lange Mitarbeiter von Stockhausens, kennt den Tierkreis wie kaum ein anderer: er hat mehrere Realisationen dieses Werks für verschiedene Besetzungen ausgearbeitet. Und er sagt dazu: «Ich habe mich der Komposition so genähert, wie sich Jazzmusiker einem Standard nähern: Sie lassen sich von der Melodie und den Harmoniefolgen inspirieren, um sich dann spontan und auf ganz individuelle Weise darüber zu äußern.»

In seiner zweiten Ausarbeitung gab Stockhausen den Musikern zusätzlich zu den Anweisungen der Partitur nur wenige Improvisationsstrukturen an die Hand und bat sie, frei über die Melodien von «Tierkreis» zu improvisieren Interpretation als Verdeutlichung der Komposition.

Die «Musik unserer Zeit» nimmt sich heute diesen Klassiker der Moderne vor; Gast im Studio ist Mike Svoboda.

Gespielte Musik

Autor/in: Florian Hauser