Werk statt Leben? Max Reger im Licht einer neuen Biografie

Max Reger (1873–1916) gilt als Randfigur unter den Komponisten. Seine Orgelmusik ist bekannt und gefürchtet, während seine experimentellen Spätwerke vergessen sind. Jetzt wird der unbequeme Zeitgenosse neu entdeckt: von der Reger-Forscherin Susanne Popp.

Symbolbild: Nahaufnahme einer Orgel.
Bildlegende: Max Reger war bekannt für seine Orgelmusik. Sein experimentelles Spätwerk wird nun neu entdeckt. Imago/ Westend61

Er trank, rauchte, ass, arbeitete – von allem zu viel. In Wiesbaden rauchte der Toxiker nach eigener Aussage innerhalb von zwei Tagen «50 Stück» Zigarren, natürlich «Brasil, die schwersten». Er starb in einem Hotelbett an den Folgen eines Herzschlags. Gelehrt und zugleich stürmisch kommt seine Musik der Extreme daher. Johann Sebastian Bach verstand er als Anfang und Ende aller Musik und führte dessen polyphones Erbe über die Grenzen tonaler Harmonik hinaus. Im Requiem aeternam etwa trifft man auf Klangflächen und Expressionsfelder, wie sie später György Ligeti aufgreifen sollte.

Ist es statthaft, zwischen Leben und Werk Parallelen zu ziehen? Susanne Popp, seit 1981 Leiterin des Max-Reger-Instituts in Karlsruhe, sieht in den «kämpferischen Offensiven und gewaltsamen Apotheosen» bis in die Strukturen und Stimmungen der Musik hinein Regers krisenanfälligen Charakter gespiegelt. Corinne Holtz besichtigt mit der Biografin Leben und Werk des unterschätzten Komponisten.

Gespielte Musik

Redaktion: Corinne Holtz