Ein Liedersänger in der Unterwelt: Monteverdis «Orfeo»

«Vokales Glück, mit brausendem Jubel überschüttet»: Der Bariton Christian Gerhaher hat in München seinen musikalischen Gang in die Opern-Unterwelt angetreten.

Den Münchner Sänger kennen wir vor allem als Liedinterpreten. Doch nicht nur bei Franz Schubert legt Gerhaher die feinsten musikalischen Nuancen frei, auch bei Claudio Monteverdi offenbart er seine musikalische Seele. «L‘Orfeo», 1607 in Mantua aufgeführt und damit die älteste heute noch gespielte Oper, wird für Gerhaher in München zu einem stillen, melancholischen Gang in die Unterwelt. Fast, als würde er eine Winterreise singen bei seiner Suche nach der entschwundenen Eurydike. Und doch blüht da etwas. Denn Gerhaher weiss um die Schönheit jedes gesungenen Wortes und jedes einzelnen Tons. «Tanta bellezza» singt er, «Orfeo io son! » Und mitten in der Hölle, so schreibt ein Kritiker, erblüht das Paradies.

Claudio Monteverdi: LOrfeo. Favola in musica

Christian Gerhaher, Bariton (Orfeo)
Anna Virovlansky, Sopran (Euridice)
Anna Bonitatibus, Mezzosopran (Messagiera, Proserpina)
Andrea Mastroni, Bass (Caronte)
Angela Brower, Mezzosopran (Speranza, La Musica)
Andrew Harris, Bariton (Plutone)
Mauro Peter, Tenor (Apollo)
Mathias Vidal, Tenor (Pastore I, Spirito I)
Jeroen de Vaal, Tenor (Pastore II, Spirito II, Echo)
Zürcher Singakademie
Monteverdi-Continuo-Ensemble
Mitglieder des Bayerischen Staatsorchesters
Ivor Bolton, Leitung

Aufnahme vom 20. Juli 2014, Prinzregententheater München (Opernfestspiele München)