Heinrich Marschners «Hans Heiling»: Eine grosse romantische Oper

Heinrich Marschners romantische Oper «Hans Heiling» wird heute kaum mehr gespielt, zu Unrecht. Das Stück steht musikalisch zwischen Webers «Freischütz» und Wagners «Fliegendem Holländer», und es wirft auch heute noch aktuelle Fragen auf.

Szene aus «Hans Heiling»: Die Mutter verzweifelt am Tod des Sohnes.
Bildlegende: Die Mutter nimmt Hans Heiling unter ihre Fittiche - bis zu seinem Tod. Herwig Prammer

Denn es geht darin um «Helicopter parents» oder vielleicht sogar um sexuellen Übergriff, meint Regisseur Roland Geyer, der das Stück in Wien auf die Bühne gebracht hat. Hans Heiling ist ein zerrissener, von seiner Mutter erdrückter junger Mann, der nach dem gescheiterten Ausbruchsversuch lieber den Tod wählt, als in sein altes Leben und also in die Fänge seiner Mutter zurückzukehren. So könnte man das Stück in der heutigen Lesart zusammenfassen.

In der Romantik war es wohl eher der innere Zwiespalt von Hans Heiling, der das Stück so interessant und zu einem der erfolgreichsten des 19. Jahrhunderts machte. Hans Heiling, ein Charakter von «düsterer Verschlossenheit», wie Marschner charakterisierte, steht dabei in Kontrast zum «Feuer» der Musik.

ORF Radio-Symphonieorchester Wien
Arnold Schoenberg Chor
Constantin Trinks, Leitung
Angela Denoke, Sopran (Königin der Erdgeister)
Michael Nagy, Bariton (Hans Heiling)
Katerina Tretyakova, Sopran (Anna)
Stephanie Houtzeel, Alt (Gertrude)
Peter Sonn, Tenor (Konrad)

Aufführung vom 13. und 16. September 2015, Theater an der Wien

Redaktion: Corinne Holtz