Kurt Weill in Amerika

Die schwedische Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter ist so etwas wie das Chamäleon unter den Sängerinnen: Sie wandelt sicher von Händel- und Mozart-Arien über Zeitgenössisches bis zu Abba-Songs. Und liebt die Musik von Kurt Weill ganz besonders.

Der Musik Kurt Weills widmete Anne Sofie von Otter Ende letztes Jahr einen ganzen Abend in Paris. Also dem Komponisten, der stilistisch ebenso vielschichtig ist wie die Sängerin, und der eine Musik schreibt, die auch die Gattungen vermischt. Zum Beispiel eine Mischform aus Gesang, Tanz und Theater kreiert wie in «Die Sieben Todsünden», das die Kritiker 1933 auch ein «immorality play» nannten.

Denn um Moral bzw. eben Unmoral geht es: Anne Sofie von Otter ist in der Rolle der Anna I und Anna II zu erleben. Zwei Schwestern, die von ihrer Familie durch die USA geschickt werden, um anschaffen zu gehen. Es soll ein Häuschen in Louisiana gekauft werden. Faulheit, Stolz, Zorn, Völlerei, Unzucht, Habsucht und Neid begegnen Anna und Anna auf ihrem Weg. Und immer ist es eine Frage des wirtschaftlichen Erfolges, ob die Tugend oder die Sünde zum Zug kommt.

Kurt Weill: Die sieben Todsünden
Kurt Weill: Kleine Dreigroschenmusik
Kurt Weill: Ausschnitte aus Happy End, One Touch of Venus, Lady in the Dark

Anne Sofie Otter, Mezzosopran
David Lefort, Tenor
Robert Getchell, Tenor
Jean-Christophe Jacques, Bariton
Geoffroy Buffière, Bass
Orchestre Philharmonique de Radio France
HK Gruber, Leitung

Konzert vom 15. November 2013 in der Salle Pleyel, Paris

Redaktion: Mariel Kreis