Multimorbidität

Gesundheit

Multimorbidität bedeutet, dass ein Mensch unter zwei oder mehr Krankheiten gleichzeitig leidet. Meistens handelt es sich dabei um chronische Erkrankungen, sagt Edouard Battegay vom Universitätsspital Zürich.

Multimorbide Menschen benötigen unterschiedliche Medikamente zur Behandlung der verschiedenen Erkrankungen. Damit die Behandlung einer Krankheit nicht zur Verschlechterung einer anderen führt, ist eine Medikamentierung mit Blick auf die Gesamtkonstellation wichtig.
Bildlegende: Multimorbide Menschen benötigen unterschiedliche Medikamente zur Behandlung der verschiedenen Erkrankungen. Damit die Behandlung einer Krankheit nicht zur Verschlechterung einer anderen führt, ist eine Medikamentierung mit Blick auf die Gesamtkonstellation wichtig. istockphoto

Edourad Battegay ist Präsident des neuen Kompetenzzentrums zur Erforschung von Multimorbidität. Rachel Honegger wollte von ihm wissen, wie Patient und Arzt mit einer solchen Mehrfach-Erkrankung umgehen und wie die Behandlung in einem solchen Fall aussieht.

Nicht nur eine Krankheit, sondern alle gemeinsam betrachten

Die Problematik von Multimorbidität wird am Fall einer Patientin geschildert: Sie lebt allein, ist über 70 Jahre alt und leicht dement. Vor kurzem hat sie sich bei einem Sturz die Hüfte gebrochen. Bei der Behandlung hat der Arzt zudem festgestellt, dass sie unter Blutarmut leidet, als Folge schlechter Essgewohnheiten aufgrund ihrer Demenz. Behandelt der Arzt in diesem Fall nur den Hüftbruch, ist das Problem nicht gelöst. Die Frau wird in geraumer Zeit vermutlich wieder stürzen und sich dann vielleicht den Arm brechen. Deshalb ist es wichtig, die Gesamtkonstellation zu berücksichtigen. Lässt sich etwas an der Blutarmut oder an der leichten Demenz verbessern? Was ist gegen Vereinsamung zu tun oder wie können die Essgewohnheiten verbessert werden? Nur so lässt sich die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Sturzes verringern.

Behandlung unter Berücksichtigung aller Erkrankungen

Auch bei der Behandlung müssen die einzelnen Krankheiten zusammen behandelt und nicht einzeln betrachtet werden. Es ist wichtig zu wissen, wie die Behandlung der Krankheit A die Entwicklung der Krankheit B beeinflusst. Eine entzündliche Erkrankung der Arterie wird zum Beispiel in der Regel mit einer hohen Dosis Cortison behandelt. Leidet der multimorbide Patient aber auch unter Diabetes, würde sich die Erkrankung durch Einnahme von Cortison verschlechtern. Die Diabetes-Erkrankung kompliziert in diesem Fall die Behandlung der ersten Krankheit.

Auch wenn Multimorbidität keine einfache Diagnose und die Behandlung kompliziert ist, Edouard Battegay hält fest, dass multimorbide Menschen trotz allem ganz normal funktionieren, den Alltag meistern und glücklich durchs Leben gehen können.

Moderation: Pia Kaeser, Redaktion: Rachel Honegger