Schabo in Bessarabien: Erinnerungen einer Auslandschweizerin

Brauchtum

«Die Schweizer»: Das sind Deutschschweizer, Welsche, Tessiner, Rätoromanen und natürlich die vielen Auslandschweizer irgendwo auf der Welt. Besonders im frühen 19. Jahrhundert sind viele Schweizer ausgewandert, einige ins damalige russische Reich, nach Schabo am Schwarzen Meer.

Gedenkstein für den Schweizer Friedhof in Schabo
Bildlegende: Gedenkstein für den Schweizer Friedhof in Schabo Martin Putz/wikimedia

Es war die Armut, die im 19. Jahrhundert Schweizer Familienväter zum Auswandern bewogen hat. Zu ihnen gehörte Martin Stohler aus Pratteln. Mit seiner vierköpfigen Familie hat er sich in einer Schweizer Kolonie im Dorf Schabo am Schwarzen Meer niedergelassen.

Elvira Wolf-Stohler ist direkte Nachfahrin dieses Pioniers. Sie wurde 1920 in Schabo geboren und ist dort aufgewachsen. Im Zweiten Weltkrieg floh die Familie und gelangte nach vielen Irrwegen und Hindernissen schliesslich wieder in der Schweiz.

Heute lebt die 93-Jährige im Altersheim in Pratteln und erinnert sich daran, wie das Leben und die Sprache in Schabo waren, als sei sie erst gestern von dort gekommen.

«Neuschwäbisch» - ein verschwundener Dialekt

Elvira Wolf-Stohler hat früher auch Gedichte und Geschichten im Schabner Dialekt geschrieben, einem Mischdialekt aus Baselbieterdeutsch, Schwäbisch, Russisch, Jiddisch und Rumänisch, den Sprachforscher schon als «Neuschwäbisch» bezeichnet haben. Sie ist die Letzte aus der damaligen Schweizer Kolonie, die noch lebt, und sie gibt begeistert Auskunft über diese verschwundene Welt.

Moderation: Christine Gertschen, Redaktion: Markus Gasser