Internetzensur zum Jahrestag des Pekinger Massakers

Stärker als je zuvor blockiert China den Zugang zu Google-Diensten. Die Sperren stehen möglicherweise im Zusammenhang mit dem 25. Jahrestag des Tian'anmen Massakers vom 4. Juni 1989. «SRF mySchool» zeigt, wie mächtig das Internet im Kampf um Freiheit und Gerechtigkeit sein kann.

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25 Jahre Tian'anmen

2:29 min, aus Tagesschau vom 31.5.2014

In China behindert die Zensur seit dem Wochenende fast alle Google-Dienste wie die Suche, Gmail oder Maps. Dies berichtet die Webseite Greatfire.org, die Chinas «Grosse Firewall» verfolgt. Laut einem Google-Sprecher habe das Unternehmen nichts mit der Blockade zu tun. Seinen Angaben zufolge sind die Google-Dienste in China zumindest teilweise zu erreichen.

Intensivierte Zensur

Seit sich Google 2010 aus China zurückgezogen hat, um sich nicht weiter selber zensieren zu müssen, wurden Nutzer automatisch auf die Google-Suchseite in Hongkong umgeleitet. Doch dies funktioniert jetzt auch nicht mehr.

Google hat in China keinen grossen Marktanteil, trotzdem dürften laut Experten zig Millionen chinesische Internetnutzer von den massiven Störungen betroffen sein. Marktführer in China ist die Suchmaschine Baidu, die ihre Suchresultate zensiert.

Viele Chinesen umgehen die Sperren mit Tunneldiensten. Doch ist die Zensur in den letzten Tagen intensiviert worden, wie Nutzer beklagen. Auch ausländische Unternehmen in China sind von den Einschränkungen betroffen.

Jahrestag des Tian'anmen-Massakers

Die Sperren stehen möglicherweise in Zusammenhang mit dem bevorstehenden 25. Jahrestag des Pekinger Massakers vom 4. Juni 1989. Laut Experten könnten diese aber auch langfristig angelegt sein. Vor dem Jahrestag der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung wurden in China die Sicherheitsmassnahmen allgemein drastisch verschärft.

Wie Menschenrechtsorganisationen kritisieren, wurden landesweit dutzende Regierungskritiker festgenommen, unter Hausarrest gestellt, verhört oder verwarnt, um jede Erinnerung an die Opfer des brutalen Militäreinsatzes zu unterbinden. Auch beklagten ausländische Korrespondenten in China «zunehmende Behinderungen und Einschüchterungen» bei ihrer Berichterstattung.

Online gegen die Regierung

Nicht nur Google ist der Regierung in China ein Dorn im Auge. Auch soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter sowie Youtube oder Webseiten von Menschenrechtsorganisationen und ausländischen Medien wie die New York Times sind für Millionen von Menschen nicht zugänglich.

«SRF mySchool» zeigt, wie die Chinesen im Internet für Redefreiheit und gegen Zensur und Korruption kämpfen. Wie das Internet in Ägypten zu einem unverzichtbaren Instrument von Menschenrechtsaktivisten geworden ist und wie die Menschen in Kambodscha erfolgreich gegen die Regierung protestieren.

Filmreihe zur Aktualität

Filmreihe zur Aktualität

Wenn alle anderen Mittel im Kampf um Gerechtigkeit aussichtslos sind, hilft nur noch das Internet. In Ländern wie Kambodscha, China und Ägypten nutzen Menschen dieses Medium, um auf sich aufmerksam zu machen und Hilfe zu erlangen. Zur Reihe «Cyberkrieg»

Tiananmen-Massaker

In der Nacht zum 4. Juni 1989 war die chinesische Armee mit Panzern gegen Studenten vorgegangen, die auf dem Platz des Himmlischen Friedens für mehr Demokratie protestiert hatten. Dabei wurden hunderte, möglicherweise sogar tausende Menschen getötet. Die Führung in Peking begründete das Vorgehen mit der Notwendigkeit, das «Chaos» zu beenden.

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