Mut zur Menschlichkeit

Während des Zweiten Weltkrieges gewährte die Schweiz Flüchtlingen nur sehr beschränkt Zuflucht. Tausende wurden an der Grenze abgewiesen. Gerade für Juden kam dies oft einem Todesurteil gleich. Doch nicht alle Schweizer befolgten diese hartherzige Flüchtlingspolitik.

Alfons Eigenmann.

Bildlegende: Zusammen mit seiner Frau Susann rettete Alfons Eigenmann der Familie Kreutner das Leben. SRF

«Wenn Sie mich zurückschicken, dann erschiessen Sie uns lieber hier». Als Ida Kreutner die Grenzwächter mit Gewehr im Anschlag sah, schien alles verloren. Zusammen mit ihrem Mann Jakob und ihrem kleinen Buben Robert war sie auf der Flucht vor dem Naziregime. Wiederholt hatte die jüdische Familie versucht, die Grenze in der Nähe von Diepoldsau illegal zu passieren. Immer wieder wurden sie abgewiesen.

Doch in dieser eiskalten Novembernacht 1938 reagierten die Grenzwächter nicht wie befürchtet: «Nein, und wenn ich die Stelle verliere. Sie kann man so nicht zurückschicken.» Der Grenzwächter, der sich mit diesem Entscheid seinen Befehlen widersetzte, hiess Alfons Eigenmann.

Die Familie Kreutner hat dank dem couragierten Eingreifen Eigenmanns und seiner Frau Susann den Weg in die rettende Schweiz gefunden. Der folgende Beitrag zeigt, wie ihre Söhne auf diese schwierigen Jahre in Diepoldsau zurückblicken.

    • Grenzwächter mit Zivilcourage

      Robert Kreutner war bei seiner Flucht in die Schweiz noch ein Kleinkind. Alfons Eigenmann, Sohn des Grenzwächters, mit 14 Jahren schon älter. Unter dramatischen Umständen haben sie sich damals kennen gelernt. Nach vielen Jahren begegnen sie sich wieder und blicken zurück auf ein bewegtes Kapitel Zeitgeschichte.

      5:23 min vom 28.4.2015

Geschlossene Grenzen

Menschen wie Alfons Eigenmann waren oft die einzige Hoffnung für Juden, die auf der Flucht vor dem Naziregime waren. Ab dem Frühjahr 1938 wurde die Rolle der Fluchthelfer und -helferinnnen immer wichtiger.

Stacheldraht bei einem Grenzübergang.

Bildlegende: Für viele Flüchtlinge war die Schweizer Grenze unpassierbar. Fluchthelfer und Grenzbeamte wie Alfons Eigenmann waren oft ihre einzige Hoffnung. SRF

Ab diesem Zeitpunkt führte die Schweiz sukzessive Einreisebeschränkungen ein und unterstellte verschiedene Flüchtlingskategorien der Visumspflicht. In den folgenden Jahren wurde es für die Verfolgten zunehmend schwieriger, sicheren Schweizer Boden zu erreichen.

In Diepoldsau retteten Dorfbewohner, Zöllner und Grenzwächter hunderten von Flüchtlingen das Leben, indem sie ihnen die Flucht in die Schweiz ermöglichten. Der Filmautor Hansjürg Zumstein hat einige dieser mutigen Menschen von Diepoldsau besucht und berichtet in seinem Beitrag «Die Fluchthelfer von Diepoldsau» von einem Kapitel dramatischer Zeitgeschichte.

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