Die Verrückten

Was Krebse zu Verrückten macht

Verrückt, wenn sich auf den Weihnachtsinseln alljährlich 60 Millionen rote Landkrabben auf den Weg ans Meer machen. Verrückt auch, wie sich kleine Planktonkrebschen in Salinen wohlfühlen, die so salzig sind, dass dort kaum ein anderes Tier überleben kann. In einer verrückten Sendung zeigt NETZ Natur die unglaubliche Vielfalt der Krebse und ihre Wichtigkeit in der Natur.

Gespenstisch, gleitet ein Taucher im Infrarotlicht durch die Nacht auf den Grund eines Schweizer Sees. Ein Verrückter? Nein, seine Mission hat einen ganz besonderen Zweck. Er filmt die nachtaktiven Krebse, von denen es hier nur so wimmelt. Mit sperrigen Bewegungen suchen die verrückten Gestalten zwischen den Steinen nach Essbarem. Einigen wird ihre Gefrässigkeit zum Verhängnis. Verführt vom Geruch der Köderfische landen sie zu Hunderten in den Reusen eines Krebsfängers.

Verrückt, dass ein solcher Fang heute in der Schweiz eine Seltenheit ist. Viele Gewässer sind mit der Krebspest verseucht, einer Pilzkrankheit, die es hier ursprünglich nicht gab und die den einheimischen Krebsen zusetzt. Sie wird durch fremde Arten in unseren Gewässern verbreitet, die als Delikatesse eingeführt und legal oder illegal in die Natur ausgesetzt wurden. Auch bei den Kleinkrebsen gibt es einen Fremdling, der den einheimischen Arten zu schaffen macht: Der Höckerflohkrebs. Als blinder Passagier am Rumpf von Schiffen oder in der Ausrüstung von Tauchern hat auch er den Weg in unsere Gewässer gefunden. Verrückt, wie er sich explosionsartig ausbreitet und überall dort, wo er einmal Fuss fasst, kurz darauf den einheimischen Bachflohkrebs verdrängt. Ein Beispiel, was dabei heraus kommt, wenn der Mensch in der Natur mit mischt.


Verrückte Krebsbilder auch von den Weihnachtsinseln im Indischen Ozean. Dort leben riesige rote Landkrabben im Wald. Sie fressen das Laub, das von den Bäumen fällt und wenn es ihnen zu warm wird, verziehen sie sich in eine Höhle. Nur einmal im Jahr zur Paarung machen sich die roten Gesellen auf den langen Marsch ans Meer: Wenn 60 Millionen Krabben gleichzeitig aus ihren Löchern kommen, kann das ganz schön gruselig werden.

Man findet Krebse auch an anderen verrückten Orten. Zum Beispiel in den Salinen des Mittelmeers, wo das Wasser in den Verdunstungsbecken entlang der Küste so salzighaltig ist, dass man dort kaum Lebewesen erwarten würde. Doch es gibt sie, die Verrückten: Zentimetergrosse Planktonkrebschen der Gattung Artemia. Sie haben etwas Feenartiges, wenn sie wie kleine Federchen durchs Wasser schweben. Sie fressen die Algen und ermöglichen es anderen Tieren, in diesen Salzseen zu überleben. Tausende und Abertausende rosafarbene Flamingos ernähren sich hauptsächlich von diesen Salinenkrebschen, die sie mit ihrem besonders ausgestatteten Schnabel aus dem Wasser sieben.


Der Verrückteste unter den Verrückten ist aber der Wurzelkrebs. Als junge Larve schwimmt er frei im Meer herum und sucht sich eine Krabbe als Wirt. Dort gibt der Parasit seine eigene Körpergestalt auf und durchwuchert die Krabbe mit feinen Fäden wie ein dichtes Wurzelwerk. So entzieht er der Krabbe Nahrung und sorgt dafür, dass sie sich nicht mehr fortpflanzen kann. Statt ihre eigenen Eier, trägt sie die Gelege des Parasiten am Bauch und wird wie ein Roboter, durch ihn gesteuert. NETZ Natur taucht mit Spezialkameras in die verrückten Wunderwelten der Krebse ein und erzählt warum sie zu den wichtigsten Tieren der Welt gehören.

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