Die vielen Wölfe der Schweiz

  • Donnerstag, 15. Dezember 2016, 20:05 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Donnerstag, 15. Dezember 2016, 20:05 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Freitag, 16. Dezember 2016, 2:05 Uhr, SRF 1
    • Freitag, 16. Dezember 2016, 11:15 Uhr, SRF 1

Der Wolf polarisiert die Menschen wie kein anderes Tier in der Schweiz. «NETZ NATUR» macht sich auf Spurensuche: Wie viele Wölfe gibt es im Land und wie leben sie? Weshalb haben heute noch so viele Menschen ernsthaft Angst vor dem Wolf? Sind die Ängste berechtigt?

Schweizerdeutsche Film Version (CH)

Hochdeutsche Film Version (3sat)

Produktion und wissenschaftliche Beratung

Kommentar von Andreas Moser: «Wölfe und das alte Spiel mit Ängsten»

Studio Gespräch mit Andreas Moser und Reinhard Schnidrig, BAFU

Aus biologischer Sicht zeigt sich immer deutlicher: Die drei Wolfsfamilien, die in diesem Sommer in der Schweiz Nachwuchs hatten, verhalten sich wie ihre Artgenossen in Italien und Frankreich und beginnen ihre ökologische Rolle in der Natur wahrzunehmen.

Auf der menschlichen Seite meldet das Wallis zwar gegen 200 gerissene Schafe und versucht einmal mehr einen Wolf abzuschiessen. In den anderen Gebieten der Schweiz schafft man es aber meist recht gut, die Schafherden vor Angriffen zu bewahren und es kam deshalb bei geschützten Herden auch zu keinen dramatischen Verlusten.

Trotzdem formieren sich in verschiedenen Kantonen Vereine unter der Bezeichnung «Schweiz ohne Grossraubtiere» und verbreiten mit grosser Energie bis in die nationale Politik ihre Sicht einer drohenden Wolfsgefahr und in der Folge den Zusammenbruch der Alpwirtschaft – tatkräftig unterstützt und inspiriert von Antiwolf-Aktivisten aus dem Ausland, die mit propagandistischen Filmen und Auftritten die Stimmung anheizen.

Der anhaltende Druck aus organisierten Schäferkreisen und Teilen der Jägerschaft führt politisch dazu, dass das Parlament möglicherweise einer Standesinitiative aus dem Wallis unter dem Titel «Wolf. Fertig lustig!» folgt, die den Austritt der Schweiz aus der Artenschutz-Konvention (Berner Konvention) fordert: So soll man den Schutz des Wolfes aufheben und ihn ohne Schonzeit bis zur Wieder-Ausrottung bejagen können. Auch die Bundesverwaltung kommt mit einer hängigen Revision des Jagdgesetzes, die den Kantonen die eigene Regulierung des Wolfes anvertrauen will, den Wolfsgegnern weitgehend entgegen.

Entsprechend gibt es in der hoch polarisierten Diskussion im Moment nur noch schwarz und weiss mit der Verurteilung derjenigen («die romantischen Städter – die sturen Bergler»), die anders oder differenziert denken. Entsprechend einem neuen Zeitgeist in der Politik gilt: Wer die eigene Meinung nicht teilt, wird als Gegner betrachtet.

Doch weshalb bewegt eine Tierart aus unserer Fauna die Menschen so sehr, dass sie mitunter jedes Augenmass verlieren? «NETZ NATUR» geht den historischen und psychologischen Hintergründen nach und fördert erstaunliche, bisher wenig beachtete Zusammenhänge zutage. Die Sendung zeigt nahe Begegnungen mit Wölfen und illustriert aufgrund eindrücklicher historischer Quellen, welche Rolle die Wölfe in der Geschichte der Schweiz und Europas spielten. Sie erklärt biologische Fakten und weist darauf hin, wie wichtig es wäre, genau hinzuschauen, um das natürliche Verhalten der Wölfe ausnutzen zu können, damit sie keinen Schaden stiften und ihre ökologische Rolle zur Gesundheit und ausgewogenen Raumverteilung des Wildes wahrnehmen können.

So wird die Sendung zur spannenden Begegnung mit einer Tierart zwischen Mythos, Politik und Realität, zwischen Gestern und Heute. Sie zeigt auf, wie die Menschen im Land die Wölfe auf ganz unterschiedliche Art sehen und wahrnehmen und versucht, durch Sachlichkeit zwischen den extremen Standpunkten zu vermitteln.

NETZ NATUR