Gans im Glück?

Die frappierende Ähnlichkeit von Gänsen und Menschen

Sie sind scheu, meistens treu und betrachten Menschen mitunter sogar als Artgenossen: Graugänse. Sie machten den Verhaltensforscher Konrad Lorenz weltberühmt. Er ging mit ihnen baden und bekam dafür den Nobelpreis.

Graugänse sind meist monogam, das heisst sie verbringen ihr Leben mit ein und demselben Partner. Es gibt aber auch untreue Gesellen, die ihren Konkurrenten immer wieder den Partner auspannen und damit für heftige Unruhe in der Gänseschar sorgen. Oder Männer, die immer wieder fremd gehen. Sogar schwule Gänse gibt es, Männchen, die über Jahre mit einem andern Ganter zusammen bleiben. Und ebenso wie bei Menschen gibt es auch bei Gänsen einzelne, die keinen Partner finden. Trotz Imponiergehabe und intensivem Werben wollen die Weibchen nichts von ihnen wissen. Solche Einzelgänger versuchen, sich einem bestehenden Paar anzuschliessen. So gibt’s auch flotte Dreier in der Gänseschar - eine Beziehungsform, die bei Gänsen besser funktioniert, als bei Menschen.

Dies sind die Ergebnisse der modernen Gänseforschung, die bestätigen, was schon die Pioniere der Verhaltensforschung wie Konrad Lorenz in den 30erjahren entdeckt hatten: Graugans ist nicht gleich Graugans. Jedes Tier hat seinen eigenen Charakter. Es gibt die starken und die schwachen. Manche mögen sich, und manche leben im Dauerstreit miteinander. Graugänse sind sozial hoch entwickelte Vögel, die die unterschiedlichsten Beziehungen untereinander pflegen, die immer wieder frappant an den Menschen erinnern.

Seit einigen Jahren sind Graugänse auch in der Schweiz heimisch. In der Jungsteinzeit waren sie wohl an unseren Seen anzutreffen und wurden später ausgerottet. Tiere, die illegal frei gelassen wurden, haben heute eine neue Schweizer Kolonie gegründet, die zu reden gibt. So leben am Sempachersee, am Aargauischen Flachsee und am Neuenburgersee wieder wilde Graugänse.

Doch hierzulande stossen die schönen Vögel nicht nur auf Liebe. Bauern klagen über Schäden in ihren Feldern, Bademeister und Behörden über verkotete Ufer und Seen. So werden sie legal und illegal abgeschossen und ihre Gelege zerstört. Graugänsen wird hierzulande das Leben schwer gemacht, obwohl ihre Zahl in der gesamten Schweiz kaum 100 übersteigt.

NETZ Natur rollt die Geschichte der Graugans auf, zeigt, wie sie als Haustier zu den Menschen kam und wirft einen intimen Blick auf ein scheues Tier: durch neue unkonventionelle Kamerasysteme kann man den Gänsen ganz nahe sein und entdecken, dass sie den Menschen ähnlicher sind, als wir denken und zwar ganz anders als wenn wir jemandem nachrufen: „Du dumme Gans!“.

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