So machen wir's!

Wie eine NETZ NATUR-Sendung entsteht

Die Tierfilmerei gilt als Traumberuf. Seit je ist sie umweht von einem Hauch von Abenteuer. Was hat es damit auf sich? Nach 15 Jahren «NETZ NATUR» lassen sich die Macher in die Karten blicken.

Fünf Stunden schon sitzen der Luchsforscher und der Tierfilmer in völliger Dunkelheit in ihrem Versteck und kämpfen gegen die aufkommende Schläfrigkeit. Die Kälte kriecht durch alle Kleider in dieser stürmischen Januarnacht im Berner Oberland. Nur ab und zu leuchtet der Bildschirm kurz auf, wenn die beiden mit der Infrarotkamera das Gelände absuchen. Kurz nach zehn sind sie plötzlich hellwach. Vorsichtig nähert sich der Luchs dem toten Reh, das er in der Nacht vorher gerissen hatte. Während einer halben Stunde frisst die grosse Katze ahnungslos am Kadaver und es gelingen Aufnahmen von atemberaubender Schönheit und Authentizität.

Solche Momente hat Andreas Moser, der als Moderator und als verantwortlicher Produzent die Sendung «NETZ NATUR» seit 1989 betreut, schon einige erlebt. «In jeder Sendung haben wir es wieder mit anderen Tieren zu tun und das ist jedes Mal eine neue Herausforderung für die Filmerei. Das erfordert immer wieder Ideen und Kreativität und erhält die Spannung aufrecht!» resümiert der Biologe. Um das Leben von Ratten in der Stadt zu zeigen, wurde in Zusammenarbeit mit dem Naturmuseum Luzern eine Kanalisation nachgebaut. Das Wachstum von Bakterien wurde mit dem Mikroskop und einem Zeitraffersystem dokumentiert und das Aufwachsen der Steinadler in den Bündner Alpen mit einem Superteleojektiv dokumentiert, das im Vergleich mit einem Fotoapparat eine Brennweite von 2500 Millimeter aufweist. Den Flug des Steinadlers verfolgte die «NETZ NATUR» Crew mit einer speziellen Kamera mit einem Helikopter, die Erdkröten wurden im Vierwaldstättersee auf 10 Meter Tiefe bei 6 Grad Wassertemperatur beim Ablaichen auf Video aufgenommen und die Rammelei der Hasen bei völliger Dunkelheit auf den Äckern im Berner Seeland mit der Infrarot-Kamera beobachtet. «Wir versuchen in «NETZ NATUR» Dinge aus unserer einheimischen Natur zu zeigen, die man ohne besonderes «Know-how» und spezielle Ausrüstung sonst einfach nie zu sehen bekommt.» Dies sei, so Andreas Moser, ein wichtiges Kriterium der Themenwahl, nur so könne man den Leuten zeigen, wie viel Unbekanntes und Spannendes sich direkt vor unserer Haustür abspielt.

Weil am 1. September 1988 die erste Sendung «NETZ – Reportage aus der Natur» ausgestrahlt wurde, gibt das heutige Redaktionsteam in einer Art Jubiläumssendung einen Einblick ins Handwerk der Tierfilmerei. Die Techniken reichen dabei vom Filmen von Wildtieren in freier Natur bis zur Aufzucht von Mäusen und dem Bau von Anlagen für diese Tiere, die den Einblick in versteckte Verhaltensweisen unter der Erde erlauben. Für gewisse Aufnahmen wird mit handzahmen Tieren gearbeitet oder man filmt in naturnahen Gehegen. «In solchen Fällen ist bei «NETZ NATUR» strikte Ehrlichkeit angesagt, und es wird deklariert, wenn Tiere nicht in freier Wildbahn aufgenommen wurden. Nur so bleibt die Glaubwürdigkeit der Sendung erhalten», ist Andreas Moser überzeugt. Aber auch wie man bei der Jagd Hasen tot schiesst, die bereits tot sind oder für die Kamera das Totschlagen von Mäusen zeigt, die lange vorher in Fallen eines Bauern ihr Ende gefunden haben, gehört zum Handwerk der Tierfilmer. Auch solche Manipulationen werden in der Sendung natürlich am Schluss aufgelöst.

Das Netz der natürlichen Zusammenhänge führt in unseren Landschaften auch unweigerlich zum Menschen, und anders als in vielen anderen Tiersendungen spielen sie bei «NETZ NATUR» eine wichtige Rolle. Dabei steht im Vordergrund, wie der Mensch im Laufe der Geschichte die Entwicklung der Natur in seinem Bereich beeinflusst und verändert hat. Um dies zu veranschaulichen und Verständlich zu machen, rekonstruiert das «NETZ NATUR» Team immer wieder mit professionellen Schauspielern und Schauspielerinnen Spielszenen –Schlüsselszenen der Begegnung von Natur und Mensch in der Vergangenheit.

Dabei ist das Ziel der fünfköpfigen «NETZ NATUR» Crew, die die meisten Aufnahmen für die Sendung selbst dreht, klar: Dem Publikum zuhause mit den modernen Mitteln der Fernsehproduktion soviel Authentizität wie möglich aus der Natur auf den Bildschirm zu bringen und, wo das nicht geht, mit den Mitteln des Filmhandwerks eine möglichst perfekte, aber auch als solche deklarierte Illusion zu erzeugen. So sollen Tiere und ihr Verhalten veranschaulicht werden, wie es sich auch in Wirklichkeit abspielt. «NETZ NATUR» Sendungen wollen mit dem Mittel der objektiven Information die Natur verständlich machen, Interesse und Emotionen wecken und gleichzeitig spannend unterhalten.

NETZ NATUR