Was macht der Bär?

Wie Bären Menschen begegnen

Wann werden Bären für den Menschen gefährlich? Ist es verantwortbar, dass Meister Petz in unser dicht besiedeltes Gebiet zurückkehrt? Hatten die Bayern Recht, «JJ1», den Bruder des Bären abzuschiessen, der letztes Jahr in der Schweiz auftauchte? Taten unsere Vorfahren gut daran, das grosse Raubtier auszurotten? Können Bären und Menschen auch friedlich nebeneinanderleben?

Die Szene ist völlig verwackelt, und doch wünscht sich niemand, in eine solche Situation zu geraten: Die Bärin geht auf der einsamen Alp unbeirrbar auf die Schafherde zu. Noch fünf Meter ist sie von den Schafen entfernt und etwa 30 Meter vom Hirten, der die Szene mit einer Videokamera aufnimmt. Sein Atem geht hörbar schneller. Dann brüllt er hinter seiner Videokamera: «Hau ab!» ... und was er der Bärin sonst noch entgegen schleudert, kann man nicht drucken.


Bereits zum dritten Mal nähert sich auch «NETZ Natur» einheimischen Bären und widmet ihnen eine Sendung. Mit gutem Grund: Es ist gelungen, in naher Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen des Bärenprojektes im Trentino Bilddokumente über Begegnungen zwischen Bären und Menschen zusammenzutragen, wie man sie noch nie gesehen hat. Nicht Bilder aus dem fernen Alaska, sondern Aufnahmen von jenen Bären, die sich daran machen, auch die Schweiz von Südosten her wieder zu besiedeln – Videoaufnahmen und Zeugenaussagen, die zeigen, wie Begegnungen zwischen Bären und Menschen abgelaufen sind.

Am Anfang der «NETZ Natur»-Reportage stand die Frage: Was macht der Bär, der letztes Jahr in der Schweiz für so viel Aufregung sorgte? Und was machen seine Artgenossen im Trentino, wenige Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt? «NETZ Natur» hat nicht nur Antworten gefunden, sondern vor allem Bilder, die anonyme Raubtiere zu Persönlichkeiten machen. Warum Bären wie die Flegelbrüder «JJ1» und «JJ2» keine Angst vor Menschen hatten. Wie ihre Mutter Jurka fast zu Tode kam und was danach geschah. Wie Daniza ihre Jugendflausen abgelegt hat – oder beinahe wenigstens: Früher brach sie in Schweineställe ein und spazierte auch mal am Samstagabend durch eine voll besetzte Pizzeria. Heute ist sie eine fürsorgliche Mutter und bringt ihren Jungen bei, was Menschen zu bedeuten haben. Und wie Joze, der kraftvolle Mann, jeden Zaun überwindet, wenn er den Frühling spürt.

Wo Bären 100 Jahre nach ihrer Ausrottung wieder auftauchen, verbreiten sie gleichzeitig Angst und Faszination. Es ist nicht lustig, wenn Bären Ferienhäuser knacken und die Tiefkühler ausräumen. Und es gibt nichts Ergreifenderes als eine scheue Bärenmutter, die vorsichtig mit ihren drei Purzelbärchen durch einen Steilhang zieht. Viele wollen Bären heimlich oder offen ans Fell, und andere errichten Denkstätten, wo ein Bär abgeschossen wurde. Bären wecken Emotionen, doch kaum jemand kennt sie wirklich. Sie wecken ungeheures Medieninteresse und rufen immer wieder mehr oder weniger kompetente Beamte und Politiker auf den Plan.

«NETZ Natur» beleuchtet Hintergründe: Warum gibt es in Amerika und im nördlichen Asien jedes Jahr tödliche Unfälle mit Braunbären? Warum waren die Alpenbären viel scheuer als die slowenischen Braunbären, die man im italienischen Trentino unweit der Schweizer Grenze wieder angesiedelt hat, um die Population der letzten Braunbären im zentralen Alpenraum zu retten? Das «NETZ Natur»-Team versucht, sich dem Wesen des Bären zu nähern: Warum sind Bären so verschieden? Warum haben Bären je nach Gebiet verschiedene Kulturen? Was haben wir zu erwarten, wenn sie wiederkommen?

NETZ NATUR