Schwer und schwerelos: Die Kafka-Fragmente von György Kurtág

«Geschlafen, aufgewacht, geschlafen, aufgewacht, elendes Leben.» Oder: «Es gibt ein Ziel, aber keinen Weg; was wir Weg nennen, ist Zögern.» Solche trostlosen Worte hat Franz Kafka in Tagebüchern und Briefen notiert.

Der Komponist György Kurtág, grosser Aphoristiker des 20. Jahrhunder5ts und Meister der Konzentration, war von der lakonischen Verzweiflung Kafkas gefangen: In den achtziger Jahren begann er, vierzig Kafka-Fragmente für Violine und Sopran zu bearbeiten manche dauern nur wenige Sekunden. «Ihre Welt aus knappen Sprachformeln, erfüllt von Trauer, Verzweiflung und Humor, Hintersinn und so vielem zugleich, liess mich nicht mehr los.» Schwer ist diese Musik, technisch sehr anspruchsvoll und doch von einer ungeahnten Ausdruckstiefe.

György Kurtág: Kafka-Fragmente

Anu Komsi, Sopran
Isabelle Faust, Violine
Dominique Horwitz, Rezitation

Konzert vom 12.09.15, Lukaskirche Luzern

Redaktion: Cécile Olshausen