Zwei Lebensgeschichten, die Mut machen

  • Sonntag, 20. Mai 2018, 10:03 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Sonntag, 20. Mai 2018, 10:03 Uhr, Radio SRF 1
  • Wiederholung:
    • Sonntag, 20. Mai 2018, 22:08 Uhr, Radio SRF 1

Rosmarie Schneider und Felix Mühleisen treffen sich bei «Persönlich»-Gastgeberin Daniela Lager in Liestal (BL) zum Gespräch.

Felix Mühleisen, Daniela Lager und Rosmarie Schneider
Bildlegende: SRF

Rosmarie Schneider (72)

Rosmarie Schneider ist nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland als «Franzosenkind» zur Welt gekommen. Die Mutter Deutsche, der Vater ein französischer Besatzungssoldat, das Kind unehelich. Rosmarie Schneider erfährt erst nur bruchstückhaft von ihrer Herkunft, es ist viel von «Schande» und «Geheimnissen» die Rede. Auf der Suche nach ihrer Familiengeschichte wird Rosmarie Schneider über viele Jahre hinweg etliche dieser «Geheimnisse» aufdecken.

Erst als 40-Jährige lernt sie ihren Vater kennen, den sie in Frankreich ausfindig macht und mehrmals anschreibt, bis es zum ersten persönlichen Treffen kommt. Auf der Suche nach ihrer eigenen Geschichte ist sie stets bemüht, bei anderen so wenig wie möglich an alten Wunden zu rühren. So wahrt sie viele Geheimnisse, die ihr bei ihren Recherchen anvertraut werden, jahrelang.

Rosmarie Schneider nimmt schon als junge Frau ihr Leben selbst in die Hand. Später zieht sie gemeinsam mit ihrem Mann Kinder gross, steigt wieder ins Berufsleben ein, engagiert sich in der Erwachsenenbildung und in der Freiwilligenarbeit. Sie muss schwere Schicksalsschläge verkraften und erleben, wie sich ihre Ehe abnützt. In dieser Zeit hilft ihr die Überzeugung, dass eine schmerzhafte Vergangenheit nicht zwangsläufig zu andauerndem Leid führen muss, wenn man sich entscheidet, den Blickwinkel auf die «Geschenke», und nicht nur auf die «Verluste» zu richten.

Im Alter von siebzig Jahren beschliesst Rosmarie Schneider, ihre Geschichte aufzuschreiben. Sie tut dies mit Mut, Achtsamkeit, Geschichtsbewusstsein und viel Sensibilität. Es ist keine Abrechnung, es ist ein Geschenk an ihre Kinder und Kindeskinder. Von dem Buch werden nur wenige Dutzend Exemplare gedruckt, es gelangt nicht in Buchhandel. «Geheimnisse», wie Rosmarie Schneider ihr Buch betitelt hat, ist im Rahmen des Schreibprojekts «Edition Unik» entstanden. Wer sich entschliesst, seine Lebensgeschichte aufzuschreiben, erhält eine App mit Hilfestellungen– und Unterstützung von Mentorinnen und Mentoren. Am Ende halten die Autobiografinnen und -biografen ihr Leben zwischen zwei Buchdeckeln in den Händen und entscheiden selbst, wie viele Exemplare davon gedruckt werden.

Felix Mühleisen (72)

Felix Mühleisen liebt «sein» Liestal. Und gerade weil er es so liebt, sorgt er immer wieder für viel Wind im basellandschaftlichen Hauptort. Er bläst mit seinem Alphorn Musik durch die Gassen und kämpfte jahrelang für eine verkehrsfreie Begegnungszone in der Innenstadt. Dort betreibt der gelernte Bäcker, Konditor und Koch ein Café.

Vor bald 48 Jahren übernahm er das Lokal von seinen Eltern und machte zuerst eine Disco daraus. Der Laden brummte – zur Freude der Jugend und zum Leidwesen der Eltern. Irgendwann hatte Felix Mühleisen genug von den langen Nächten in der «Raucherhöhle» und verwandelte seinen Betrieb als einer der ersten in ein rauchfreies Café – auch das nicht zur Freude aller.

Was Felix Mühleisen einmal angefangen hat, gibt er so schnell nicht wieder auf. Davon können auch die Liestaler Behörden ein Lied singen: Mit unübersehbaren Plakaten kämpfte Mühleisen gegen Abgase und Lärm in der Innenstadt und forderte einen verkehrsfreien Törliplatz. Die Behörden hat er mit seinen Aktionen und seiner Hartnäckigkeit oft herausgefordert – und dafür vom kürzlich zurückgetretenen Stadtpräsidenten Lukas Ott «Blumen» erhalten. Mühleisen habe viel gemacht für die Stadt, sagte Ott, und versprach dem umtriebigen Beizer zum Geburtstag einen Bundesrat. Wie es schliesslich zum Besuch von Bundesrat Guy Parmelin in Mühleisens Café kam, ist eine der vielen aussergewöhnlichen Geschichten im Leben des Gastronomen. Aber bei weitem nicht die einzige: So reiste Felix Mühleisen etwa vor zwei Jahren ans Weltkulturfestival nach Neu-Dehli, wo er vor einem Millionenpublikum einen Auftritt mit seinem Alphorn hatte.

In der Sendung «Persönlich» bei Daniela Lager treffen sich Felix Mühleisen und Rosmarie Schneider am Pfingstsonntag, 20. Mai 2018 um 10 Uhr zum Gespräch, live im Kulturhotel Guggenheim in Liestal und auf Radio SRF 1. Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt ist frei. Keine Sitzplatzreservation.

Moderation: Daniela Lager