Sakrales Theater auf dem Julierpass

Ein knallroter 30-Meter-Holz-Turm auf dem Julierpass – das ist nicht nur ein Farbtupfer in luftiger Höhe, sondern ein vielgefeiertes, temporäres Theaterhaus. Ausgezeichnet mit dem Wakkerpreis, bringt das Festival «Origen» spektakuläre Kunst an ungewöhnliche Orte im Bündnerland.

Dahinter steckt der Bündner Giovanni Netzer, Intendant des Festivals. Er hätte Priester werden können, studierte er doch Katholische Theologie, Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte. Auch wenn die Kunst seine wahre Berufung wurde bezeichnet Netzer die Kirche nach wie vor als geistige Heimat. Und er sieht viele Schnittstellen: «In der Theologie machte ich vor allem Liturgiewissenschaft, und in gewisser Weise steht die Liturgie am Anfang des Theaters». Ein Markenzeichen von Giovanni Netzer ist es, biblische Stoffe neu zu interpretieren. Im «Julierturm» werden etwa die Geschichte der Weisen aus dem Morgenland und Passionskonzerte gespielt. In «Perspektiven» spricht Giovanni Netzer über Kunst und Kultus – und den Reichtum biblischer Stoffe für Adaptionen der Gegenwart.

Redaktion: Raphael Rauch