Wendet Euch vom Mammon ab!

In jeder Nachrichtensendung ist von «den» Märkten die Rede. Sie «spielen» und führen scheinbar ein metaphysisches Eigenleben. Da tut Markt-Aufklärung not! – sagen Wirtschaftsethiker.

verschiedene Schweizer Banknoten
Bildlegende: Gegen einen blinden «Glauben an den Markt» haben die Wirtschaftsethiker Peter Seele und Chr. Lukas Zapf ein Aufklärungsbuch geschrieben. Keystone

Gegen einen blinden «Glauben an den Markt» haben die Wirtschaftsethiker Peter Seele und Chr. Lukas Zapf ein Aufklärungsbuch geschrieben. Fein säuberlich nehmen sie die Sprache der Ökonomie auseinander: Indem von «den Märkten» als scheinbar handelnden Subjekten die Rede ist, entlasteten sich Wirtschaftsakteure von ihrer Verantwortung, kritisieren die Autoren. Unsere Gesellschaft sei aber gerade keine «GmbH», keine Gesellschaft mit beschränkter Haftung.

Eine «Vergottung der Märkte» beklagt auch Jochen Hörisch im Vorwort. Bereits 2013 entlarvte der Germanist Hörisch das Denken vieler Ökonomen als metaphysisch überhöht. So sei etwa das Wort «Vertrauen» ein Schlüsselbegriff in der Wirtschaft ebenso wie in der Theologie. Die Theologie übersetzt «Glauben» ja genau mit «Vertrauen». Wer nun dergestalt auf Märkte «vertraue», «glaube» also an sie und vergöttere die Märkte. –
Stattdessen plädiert das Autorenteam für eine aufgeklärte Marktwirtschaft.

Literatur zur Sendung:
Peter Seele und Chr. Lucas Zapf, "Der Markt" existiert nicht - Aufklärung gegen die Marktvergötterung, Springer 2017. (Mit einem Vorwort von Jochen Hörisch und einem Nachwort von Christoph Weber-Berg)
Jochen Hörisch, Man muss dran glauben. Die Theologie der Märkte, Wilhelm Fink Verlag 2013.

Redaktion: Judith Wipfler