Abhängig vom Smartphone?

Smartphones und Tablets sind alltäglich geworden – und stören den Alltag manchmal enorm. «Ratgeber»-Psychologe Markus Zimmermann gibt Tipps, wie man mit der Situation umgehen kann und wie man selber merkt, ob aus der Gewohnheit bereits eine Sucht geworden ist.

Vor wenigen Jahren noch ein belächeltes Gadget für Geeks und Freaks, heute ein Alltagsgegenstand, der das Leben seiner Besitzer nachhaltig verändert: 2,9 Millionen Schweizerinnen und Schweizer besitzen ein Smartphone, bei den jungen Erwachsenen sind es vier von fünf.

Die Auswirkungen sind offensichtlich: Im ÖV dienen die Kommunikationsgeräte in erster Linie dazu, sich von den anderen Passagieren abzukapseln. Im direkten Kontakt sorgt die ständige Erreichbarkeit und beiläufige Kommunikation via SMS, E-Mail, Whatsapp & Co. paradoxerweise dafür, dass ungestörte Gespräche kaum mehr möglich sind.

Nicht die Konfrontation suchen

Was tun, wenn das Gegenüber ständig von seinem Gerät abgelenkt wird, statt sich auf das Gespräch zu konzentrieren? SRF-«Ratgeber»-Psychologe Markus Zimmermann rät: «Die Situation thematisieren und dabei mit einer positiven Feststellung starten. Zum Beispiel: ‹Schön, dass Du so zuverlässig bist und jedes SMS gleich beantwortest›, und dann darauf hinweisen, dass man es schätzen würde, dieselbe Aufmerksamkeit zu bekommen.» Egal, ob in einer grösseren Runde oder im intimen Rahmen einer Partnerschaft sollte nicht gleich die Konfrontation gesucht werden. Vorwürfe führen selten zum Ziel.

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«Sucht»

18 min, aus SRF mySchool vom 21.3.2013

Wie merke ich, ob mein eigener Umgang mit dem Smartphone oder Tablet noch normal ist oder schon problematisch? «Das fällt einem selbst üblicherweise nicht auf», weiss Markus Zimmermann aus seiner Praxis. «Meist wird man vom Umfeld darauf angesprochen.» Es gibt allerdings einen einfachen Test, um herauszufinden, wie es um einen steht: «Legen Sie das Handy mal ein paar Stunden zur Seite und schauen Sie, wie es Ihnen dabei geht!» Dass einem dabei erst mal unwohl ist, ist noch nicht weiter bedenklich: «Wir gewöhnen uns sehr schnell an so ein Gerät, problematisch ist es, wenn daraus eine Abhängigkeit oder gar Sucht wird.» Da kann sogar professionelle Beratung und Hilfe nötig sein.

Ein bewusster Umgang mit Smartphone & Co. hilft, einem Abgleiten in die Abhängigkeit vorzubeugen. Hierzu ein paar Tipps:

  • Den eigenen Wert nicht über die Anzahl Anrufe oder Kurznachrichten definieren.
  • Ab und zu Ausflüge ins Freie machen, bei denen das Handy zu Hause bleibt.
  • Nicht nur via Smartphone kommunizieren. Persönliche Treffen mit Freunden und alten Bekannten bevorzugen.
  • Das Handy nachts ausschalten und tagsüber den SMS-Ton auf lautlos; maximal zweimal täglich kontrollieren, ob eine Nachricht eingegangen ist.