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Alltag & Umwelt Antibiotika-Gel gegen Borreliose

Zeckenstiche sind beunruhigend - FSME und Borreliose sei Dank. Zumindest Borreliose könnte in näherer Zukunft schnell verhindert werden. Ein antibiotisches Gel soll es richten.

Legende: Video Gel gegen Borreliose abspielen. Laufzeit 5:30 Minuten.
Aus Puls vom 14.04.2014.

Auch wenn der warme Winter der Zeckenpopulation zugesetzt hat: Im Freien und im Wald besteht eine gute Chance, von einem der Spinnentiere erwischt zu werden. Oft genug passiert das unbemerkt – ertappt man aber eine Zecke beim Blutsaugen, gilt: Sofort weg damit!

Die Art und Weise der Entfernung ist dabei nicht so wichtig. Ist keine Pinzette oder ähnliches zur Hand, kann das Tier auch einfach abgekratzt werden. Bleibt der Rüssel dabei in der Haut, ist das vernachlässigbar. Was zählt ist, dass die Zecke umso mehr Krankheitserreger überträgt, je länger sie saugt. Eine möglichst schnelle Entfernung reduziert dementsprechend das Ansteckungsrisiko mit FSME oder Borreliose. Denn von 300 Zecken tragen 100 die Borreliose-Erreger. Von diesen 100 wiederum übertragen nur drei bis vier dann auch tatsächlich Borrelien an den Menschen. Rund 10'000 Menschen erkranken in der Schweiz jedes Jahr daran. Die FSME-Gefahr ist noch geringer: An der Frühsommer-Meningoenzephalitis erkranken pro Jahr 1.6 pro 100'000 Einwohner.

Stiche genau beobachten

Entwickelt sich um die Stichstelle eine Hautrötung oder stellen sich ein paar Tage später grippenähnliche Symptome ein, empfiehlt sich ein Arztbesuch. Frühzeitig entdeckt, kann die Borreliose mit Antibiotika behandelt werden. Unerkannt kann sie im schlimmsten Fall zu Nerven- und Gelenksschäden führen. Eine Impfung gibt es bis heute nicht.

Unbefriedigend findet das eine Schweizer Firma und testet in einer Phase-III-Studie seit mehreren Jahren ein Antibiotika-Gel, das die Borrelien durch Auftragen auf die Haut abtöten soll. In dieser Phase geht es darum, Untersuchungen durchzuführen, die die für eine Zulassung entscheidenden Daten zum Wirksamkeit liefern. Der Durchbruch ist jedoch noch nicht gelungen und die Meinungen über Sinn und Unsinn eines solchen Gels gehen auseinander. Eine weitere Studie soll 2015 beginnen, mit dem Ziel, genügend Probanden zu rekrutieren, um eine Zulassung beantragen zu können. Der beste Schutz ist jedoch immer noch, sich gar nicht erst beissen zu lassen.

So schützen Sie sich vor Zecken

  • Tragen Sie gut schliessende Kleidung.
  • Meiden Sie das Unterholz.
  • Verwenden Sie Schutzmittel für die Haut und Insektizide für die Kleider.
  • Suchen Sie Körper und Kleidung nach dem Aufenthalt im Freien auf Zecken ab.

Borreliose kommt weit häufiger vor als die gefürchtete Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Für sie existiert ein Impfschutz, den das Bundesamt für Gesundheit allen Personen ab sechs Jahren empfiehlt, die in einem Risikogebieten wohnen oder sich zeitweise dort aufhalten. Bei Kindern unter sechs wird die Impfung in der Regel nicht empfohlen, denn bei ihnen verläuft eine FSME meist wesentlich milder als bei Erwachsenen, der grösste Teil von ihnen erholt sich komplikationslos und vollständig.

In den Risikogebieten übernimmt die obligatorische Krankenpflegeversicherung die Kosten für die Impfung. Bei Personen, für die aus beruflichen Gründen (Waldarbeiter, Förster, Landwirte) eine Impfung angezeigt ist, übernimmt der Arbeitgeber die Impfkosten.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Petra Bonin, Glan-Münchweiler
    Die Lyme-Borreliose ist die häufigste durch Zecken übertragene Infektionskrankheit, aber gleichzeitig auch eine der am meisten unterschätzten und verharmlosten Erkrankungen! In Deutschland ist bereits jeder 14. Jugendliche betroffen! Um auf die schlechte medizinische Versorgung der Borreliose-Patienten aufmerksam zu machen, organisiert "OnLyme-Aktion.org" am 17.Mai eine Protest-Demonstration!
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  • Kommentar von Martina Müller, Zürich
    Wie häufig und unter welchen Umständen eine Borreliose mit Antibiotika behandelbar UND auch heilbar ist, steht komplett in den Sternen. Tatsache ist, dass die Borreliose der späteren Stadien kaum erforscht ist. Trotz der fehlenden belastbaren Evidenz dürfen Patienten nicht wählen, nach welchen Leitlinien sie behandelt werden sollen. Ein Umstand, der Patienten weltweit jedes Jahr im Mai auf die Strassen treibt, um für eine bessere medizinische Versorgung zu demonstrieren. Welch Armutszeugnis!
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  • Kommentar von M. Bolder, Muhen
    Mein Hausarzt meinte, die Krankenkasse bezahle die Impfung nicht. Jetzt, ein Jahr später, lese ich hier, dass die Krankenkasse die Impfkosten im Risikogebiet übernimmt. Wer hat nun wohl recht? Vom Hausarzt würde ich jedenfalls erwarten, dass er in diesem Punkt Bescheid weiss, gerade wenn er die Impfung ja empfiehlt.
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    1. Antwort von
      Das ist so nicht richtig. Das BAG schreibt dazu: „Die FSME-Impfung wird als sehr wichtig betrachtet. Aus diesem Grund werden die Kosten im Rahmen der Grundversicherung übernommen (abzüglich Franchise und Selbstbehalt). Bei beruflicher Exposition werden die Kosten vom Arbeitgeber übernommen.“
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