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Alltag & Umwelt Auch Sprachsteuerung lenkt am Lenkrad ab

Auf Zuruf einen Anruf starten oder den Radiosender wechseln: Sprachsteuerungs-Systeme im Auto versprechen mehr Verkehrssicherheit, bergen aber grosses Ablenkungspotenzial.

Junge Frau am Steuer eines modernen Autos gibt dem System Sprachanweisungen
Legende: Sprachsteuerung klingt nach beiläufiger Bedienung, erfordert aber mehr Aufmerksamkeit als erwartet. imago

«Während der Fahrt bitte nicht mit dem Fahrer sprechen!» Der Hinweis hängt in jedem Bus und Tram und macht deutlich, wie wichtig die ungeteilte Aufmerksamkeit für das sichere Lenken eines Fahrzeugs ist.

Ablenkung ist Gift am Steuer. Das zeigt sich nicht nur an der Fahrweise SMS-tippender Automobilisten, es schlägt sich auch in den Unfallstatistiken nieder, wo das Bedienen von Smartphone, Navigationsgerät oder Autoradio immer häufiger als Ursache aufgeführt ist.

Der angesagte Lösungsansatz, um die Hände der Lenker am Lenkrad zu behalten: Sprachsteuerung. Statt an Knöpfen und Reglern zu hantieren, einfach den Geräten sagen, was sie zu erledigen haben. So bleiben die Augen auf der Strasse, und die Ablenkung vom Verkehrsgeschehen ist auch nicht grösser als wenn man sich mit jemandem auf dem Beifahrersitz unterhält. Klingt gut, stimmt so aber leider nicht.

Fast eine halbe Minute abgelenkt

Im Auftrag der Amerikanischen Verkehrssicherheits-Vereinigung AAA Foundation for Traffic Safety , Link öffnet in einem neuen Fensterhat die Universtität von Utah anhand von aktuellen Fahrzeugen verschiedener Marken untersucht, ob und in welchem Mass die Benutzung von Sprachsteuerungs-Systemen die Aufmerksamkeit beim Autofahren beeinträchtigt.

Das ernüchternde Ergebnis: Je nach Fabrikat dauerte es bis zu 27 Sekunden, bis der Fahrer wieder seine volle Aufmerksamkeit dem Verkehrsgeschehen widmete. Bestenfalls dauerte die Ablenkung durch das sprachgesteuerte Starten eines Anrufs oder das Wählen eines Radiosenders 15 Sekunden – was bei 50 km/h immerhin einer Fahrstrecke von rund 230 Metern entspricht.

Umständlich und unzuverlässig

Die Forscher machten verschiedene Problemzonen aus: Zum einen sind die Systeme unterschiedlich intuitiv gestaltet. Sind viele Bedienschritte nötig und werden nur bestimmte Sprachbefehle akzeptiert, lenkt dies die Konzentration des Fahrers umso stärker ab.

Erkennt das System die gesprochenen Befehle zudem schlecht und braucht es lange, um sie zu verarbeiten, ist man auf der Strasse bis zu einer halben Minute lang mehr oder weniger im Blindflug unterwegs. Wenn das System dann noch nicht wie erwartet funktioniert, lenkt dies den Fahrer erst recht ab, weil man versucht, dem Problem auf die Schliche zu kommen.

Siri & Co. mit ähnlichen Problemen

In einer zweiten Studie nahmen die Forscher auch das Ablenkungspotenzial von Smartphone-Sprachsteuerungen beim Autofahren unter die Lupe. Zwar erwies sich dabei Googles Sprachsteuerung «Now» als ein Spürchen besser als Apples «Siri» oder Microsofts «Cortana». Auch hier zeigten sich im Test aber wieder die selben Probleme und Ablenkungspotenziale wie bei den fest verbauten Systemen.

Fazit: Sprachsteuerungssysteme sind noch weit davon entfernt, wie menschliche Gesprächspartner zu funktionieren und sollten im Verkehr zurückhaltend genutzt werden. Wie sie im Vergleich mit traditionellen Bedienkonzepten abschneiden, wird nun in weiteren Studien geklärt.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Oelle, bei Basel
    Ich bin immer wieder erfreut, wie die vielen Medien ihre Seiten Tag für Tag mit wichtigen Informationen füttern. Mich selbst lenken allerdings die wohlgeformten Beine meine Frau im Beifahrersitz noch mehr ab. Also bitte sofort das Mitnehmen von Frauen im Auto (zumindest ohne Vollschleier und bodenlangen Röcken) verbieten! Aber auch kontrollieren bitte (die sog. «Frauenkontrolle»)! Vorschlag für den Bussenkatalog: 300.- CHF (da bedeutend gefährlicher als das Telefonieren). Husten, niessen ...
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  • Kommentar von JoeCH, Basel
    Irgendwie komisch. Bei der MFK kriegt man Probleme wenn ein Heckscheibenwischer nicht funktioniert oder ein Reflektor zwar wunderbar reflektiert, aber kein Prüfzeichen hat. Aber die Bedienkonzepte der Fahrzeuge wird nicht geprüft. Dabei sind abgelenkte FahrerInnen weit häufiger und gefährlicher als "falsche" Reflektoren, Wappen am Rückspiegel oder defekte Heckscheibenwischer.
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  • Kommentar von Joe Schweizer, Basel
    Die (auch nicht mehr so) zeitgenössischen Bediengeräte für Navi, Radio und Klimaanlage können zwar wahnsinnig viel, sind aber während der Fahrt kaum mehr bedienbar. Während beim "alten" Autoradio mit einem Knopfdruck der Sender, die CD oder das Lied gewechselt werden konnte oder die Helligkeit der Displays und Anzeigen mittels Poti eingestellt werden konnte muss man nun oft durch eine komplette Menüstruktur hindurchnavigieren. Das lenkt tatsächlich auch routinierte Fahrer stark ab.
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