Beipackzettel richtig lesen

Klein zusammengefaltet und meist ignoriert – Beipackzettel fristen meist ein tristes Dasein. Kein Wunder, denn viele Patienten fühlen sich nach genauerer Lektüre eher verunsichert denn informiert.

Nahaufnahme eines Beipackzettels, dahinter unscharf die zugehörige Pille in einer Blisterpackung.

Bildlegende: Der Beipackzettel ist ein wesentlicher Teil der Patienteninformation. Häufig sorgt er aber auch für Verunsicherung. imago

Wer ein Medikament auf den Markt bringt, muss darüber informieren. Wie, ist in der Arzneimittelverordnung vorgeschrieben und wird von der für die Zulassung zuständigen Heilmittelbehörde Swissmedic kontrolliert. Art und Umfang der Information richtet sich nach dem Zielpublikum:

  • Die Fachinformationen enthalten Daten über Inhaltsstoffe, Darreichungsform, Stärke, Indikationen, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und vieles mehr. Sie orientieren sich in Form und Umfang an medizinisch geschulten Fachpersonen.
  • Im Gegensatz dazu konzentrieren sich die Patienteninformationen im Beipackzettel auf den Zweck und den korrekten Gebrauch des Medikaments. Sie sollen diese Informationen in patientenverständlicher Sprache vermitteln.

Komplexe Inhalte einfach verständlich zu machen, ist aber alles andere als einfach. Und so sind die Zettel für Laien denn auch meist alles andere als einfach zu entschlüsseln. Nicht zuletzt sorgen viele Informationen auch für Verunsicherung – allen voran jene zu den Risiken und Nebenwirkungen.

Krank durch zuviel Information

Diese Verunsicherung führt so weit, dass manche Patienten nach dem Durchlesen erst wirklich krank werden und plötzlich von Kopf- und Magenschmerzen, Schwindel oder Übelkeit befallen sind – genauso, wie es im Beipackzettel steht. «Nocebo-Effekt» heisst dieses Phänomen in der Fachsprache. Ärzte nehmen solche Anzeichen durchaus ernst. Denn es gibt sie ja, die unerwünschten Nebenwirkungen. Kommt es beispielsweise wenige Tage nach der Einnahme eines Antibiotikums zu einem Ausschlag, ist für Mediziner klar, woher die Hautreizung stammt.

Auch andere «stille» Anzeichen geben Aufschluss: So können schlechte Leberwerte, im Labor ermittelt, klar anzeigen, dass ein Medikament im Einzelfall nicht gut vertragen wird. Diffuse Beschwerden sind dagegen für den behandelnden Arzt schwerer zu analysieren. Häufig hilft es dann schon, eine gute Vertrauensbasis zum Patienten herzustellen und ihm durch Information die Angst zu nehmen.

Beipackzettel sollten also mit der gebotenen Aufmerksamkeit, aber auch mit der nötigen Distanz gelesen werden. Wichtig sind für den Patienten die Informationen: Für was ist mein Medikament? Stimmt die vom Arzt empfohlene Dosierung mit dem Beipackzettel überein? Eine Nachfrage beim Arzt klärt Unsicherheiten, denn auch Ärzte machen Fehler.

Häufigkeitsangaben verstehen

Was die Häufigkeit möglicher Nebenwirkungen angeht: Sie beruhen auf statistischen Werten aus Tests, die für die Zulassung der Medikaments gemacht wurden. Die Angaben bedeuten:

  • Nicht bekannt: Häufigkeit ist aufgrund verfügbarer Daten nicht abzuschätzen
  • Sehr selten: Seltener als einer von 10'000 Behandelten betroffen
  • Selten: ein Patient bis zehn Patienten von 10'000
  • Gelegentlich: mehr als einer bis zehn von 1000 Behandelten
  • Häufig: ein Patient bis zehn Patienten von 100
  • Sehr häufig: mehr als einer von zehn Behandelten betroffen