Die giftigsten Pflanzen der Schweiz

Schneller als mit giftigen Tieren kommen wir mit giftigen Pflanzen in Berührung. Tatsächlich wachsen einige der giftigsten Pflanzen weltweit in der Schweiz – einige davon sogar im Garten. Die meisten gesundheitlichen Probleme machen aber nicht sie, sondern Pflanzen, die die Haut verätzen.

Video «Problempflanzen – Unterschätzte Gefahr im Garten» abspielen

Problempflanzen – Unterschätzte Gefahr im Garten

5:47 min, aus Puls vom 22.6.2015

Sie ist leider ein «Klassiker»: Die Verwechslung von Bärlauch und Herbstzeitlosen. Denn im Frühling, wenn der Bärlauch spriesst, zeigt auch die Herbstzeitlose ihre Blätter. Ohne Blüten – diese trägt die Pflanze erst im Herbst – sehen sich die Blätter beider Pflanzen zum Verwechseln ähnlich. Rund 15 Unfälle mit Herbstzeitlosen wurden der Tox Info Suisse in den letzten zehn Jahren jährlich gemeldet. Seit 1966 endeten vier dieser Vergiftungen tödlich, weitere zwölf verliefen mit mittelschweren oder schweren, das heisst behandlungsbedürftigen Symptomen. Während jedes einzelne Blatt des Bärlauchs gestielt ist und eine elliptische Form hat, sind die Blätter der Herbstzeitlosen ungestielt und lanzettenförmig. Noch viel Charakteristischer ist aber der ausgeprägte Knoblauchgeruch des Bärlauchs, vor allem, wenn man die Blätter verreibt. Die Herbstzeitlose dagegen ist geruchlos.

Das Gift der Herbstzeitlosen heisst Colchicin. Weniger als ein Milligramm davon pro Kilogramm Körpergewicht kann bereits lebensgefährlich sein. Colchicin unterbindet Zellteilungsprozesse im Körper. Dadurch kommt es zur Bildung nichtfunktionsfähiger Zellen, deren Beseitigung das Immunsystem überlastet. Dies wiederum führt zu schweren Vergiftungserscheinungen, die tödlich enden können.

Hohes Giftpotential bei einheimische Pflanzen

Tatsächlich kommen wir in der Schweiz schneller mit giftigen Pflanzen in Berührung als mit giftigen Tieren – sogar im eigenen Garten. Sie tragen wohlklingende Namen wie Atropa belladonna, Conium maculatum oder Taxus baccata. In Tat und Wahrheit verbirgt sich hinter Belladonna – der schönen Frau – aber die hochgiftige Tollkirsche. Vergiftungen mit den Beeren nehmen in den Statistiken der Giftnotzentralen eine führende Position ein. Drei bis vier Beeren können ein Kind bereits qualvoll töten, zehn bis zwölf Beeren einen Erwachsenen. Ähnlich giftig sind auch Eibe, Fingerhut und Gefleckter Schierling. Die Giftstoffe des Gefleckten Schierlings beispielsweise wirken auf das Nervensystem und führen zur Atemlähmung. Der Philosoph Sokrates wurde so im Altertum mit dem sogenannten Schierlings-Becher aus dessen Früchten und Wurzeln hingerichtet.

Die Rangliste der giftigsten Pflanzen in der Schweiz führt aber der Blaue Eisenhut an. Alle seine Pflanzenteile sind stark giftig. Sein Pflanzengift wird sogar über Schleimhäute und durch unverletzte Haut aufgenommen. Typische Vergiftungserscheinungen sind Taubheit an den Kontaktstellen und beim Verschlucken von Pflanzenteilen Kälteempfindlichkeit, Übelkeit, nervöse Erregung, Herzrhythmusstörungen und Krämpfe sowie in schweren Fällen Lähmungen, vor allem auch des Kreislaufs, bis hin zum Tod.

Glücklicherweise sind wir unbekannten Beeren, Blüten und Pflanzen im Allgemeinen gegenüber eher skeptisch – vielleicht ist das eine Erklärung dafür, warum trotz des hohen Giftpotentials unserer Flora nicht weit mehr passiert.

Ätzender Saft des Riesenbärenklaus

Die meisten gesundheitlichen Probleme bereiten nämlich nicht Giftpflanzen wie Eisenhut, Fingerhut, Tollkirsche, Eibe oder Gefleckter Schierling, sondern Pflanzen, die die Haut verätzen können.

Mit drei Metern Wuchshöhe ist der Riesenbärenklau eine gewaltige Pflanze. Nicht umsonst er auch den Namen Herkulesstaude. Und gewaltig können auch die Folgen eines Kontakts mit dem Pflanzensaft sein. Gelangt das enthaltene Furocumarin auf die Haut, kommt es zu einer phototoxische Reaktion der Haut: Sie wird extrem lichtempfindlich, wodurch es durch Sonnenlicht zu schweren, schmerzhaften Verbrennungen mit oftmals grossen Brandblasen kommt.

Am meisten Pflanzensaft enthält der dicke Stängel, bei ausschliesslichem Hautkontakt mit den Blättern fallen die Reaktionen weniger stark aus. Behandelt werden sie wie normale Verbrennungen – also mit kühlenden Umschlägen sowie vom Arzt verordneter Kortisonsalbe, um Entzündungen und Schmerzen zu verringern. Trotzdem heilen die Verbrennungen nur langsam ab und hinterlassen oft monatelang noch braune Verfärbungen auf der Haut.

Der Riesenbärenklau ist nicht die einzige Pflanze, die solche Hautreaktionen hervorrufen kann. Auch das Johanniskraut, die häufig in Feldern wachsende Wiesenraute, die mit dem Riesenbärenklau verwandte Pastinake, sowie Karotten, Sellerie, Petersilie, einige Zitrusfrüchte und die gelegentlich in Parfümen vorkommende Bergamotte enthalten solche Substanzen. Jedoch sind sie meist in so geringer Menge vorhanden, dass nur andauernder Kontakt mit grossen Mengen in starkem Sonnenlicht zu Problemen führt – so dass nur Landwirte oder Erntearbeiter Auswirkungen zu befürchten haben.

Ein Arm mit einer grossen Brandblase.

Bildlegende: So heftig kann der Hautkontakt mit dem Saft des Bärenklaus ausfallen. SRF

Auch Pflanzen der Familie der Wolfsmilchgewächse, die in Steingärten besonders beliebt sind, haben einen toxischen Milchsaft. Der Saft hat eine starke örtliche Reizwirkung auf die Haut und die Schleimhäute und kann Gewebe zerstören. Bei Kindern, die aus Neugier gerne mit Pflanzen spielen, sind Augenverletzungen durch den Saft besonders gefährlich.

Sendung zu diesem Artikel