E-Book & Co. stören unseren Schlaf

Immer mehr Menschen leiden unter einem chronischen Schlafdefizit, denn sie unterschätzen den Einfluss des künstlichen Lichts vor dem Zu-Bett-Gehen: Vor allem blau angereichertes Licht, wie es LED-Bildschirme, E-Reader, Tablets oder Smartphones aussenden, stört den Schlaf.

Frau liegt mit geschlossenen Augen im Bett und wird blau beleuchtet

Bildlegende: Das Lichtspektrum moderner Leuchtquellen stört den Schlaf spürbar. Colourbox/BASF

Chronisch schlechter Schlaf ist weltweit zu einer Epidemie geworden, warnen Schlafforscher wie Charles Czeisler von der Harvard Medical School in den USA. Mit jedem Jahrzehnt schlafen die Menschen durchschnittlich etwas weniger lang.

Schuld daran sind nicht nur Stress an der Arbeit, lange Pendlerfahrten oder koffeinhaltige Getränke. Stark unterschätzt werde der Einfluss des Kunstlichts, das Menschen nachts wach hält, schrieb der renommierte Schlafforscher im Fachblatt «Nature».

LED-Licht macht wach statt schläfrig

«Viele checken um Mitternacht noch ihre E-Mails, schreiben SMS oder sind sonst aktiv bis zur Übermüdung und schlafen höchst unregelmässig. Doch damit bringen sie ihre innere Uhr durcheinander – und schlafen schlechter», sagte Czeisler gegenüber SRF.

Schlecht für den Schlaf sei auch ein bestimmtes Kunstlicht, nämlich «kurzwelliges Licht mit erhöhtem Blauanteil im Lichtspektrum, wie man es in Beleuchtungen mit LED oder Leuchtdioden findet, also in den neuen Smartphones, Tablets oder Fernsehbildschirmen.»

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LED-Licht stört den Schlaf

1:32 min, aus Puls vom 10.6.2013

Weniger Tiefschlaf

Christian Cajochen, der Leiter des Zentrums für Chronobiologie an den Psychiatrischen Universitären Kliniken Basel, bestätigt das. In jüngster Zeit habe es sich gezeigt, dass die Menschen spezielle Sinneszellen im Auge haben, die auf blaues Licht reagieren und dem Hirn mitteilen, ob es den Körper wach oder schlafbereit halten soll.

Wie LED-Licht den Schlaf-Wach-Rhythmus beeinflusst, hat er mit eigenen Forschungen gezeigt. So waren Studenten wacher und in ihren Reaktionen schneller, wenn sie drei Stunden vor dem Zu-Bett-Gehen an einem LED-Bildschirm arbeiteten, als wenn sie dasselbe an einem Bildschirm ohne LED taten. Die Auswertung ihrer Hirnströme zeigte, dass sie zu Beginn der Nacht massiv weniger Tiefschlaf hatten.

Keine SMS und Mails mehr in der Nacht

Wer also zu Schlafproblemen tendiert, sollte das Leuchten solcher Geräte in der Zeit nach Sonnenuntergang und vor dem Zu-Bett-Gehen möglichst meiden, so der Rat der Schlafforscher.

Dasselbe gilt für LED-Leuchten mit kalt-weissem Licht und ebenso für kalt-weiss leuchtende Energiesparlampen; denn auch kalt leuchtende Energiesparlampen haben in ihrem Lichtspektrum übermässig viel Blau, wobei ihre Auswirkung auf den Schlaf weniger gezielt erforscht ist als jene der LED, hiess es auf Anfrage bei der Basler Beleuchtungsfirma Regent, die mit Schlafforschern zusammenarbeitet.

Etwas weniger stark sei der Blauanteil im Spektrum der warm-weiss leuchtenden LED. Keinen übermässigen Blauanteil haben Halogenleuchten und die klassische Glühbirne, in deren Spektrum die Farben gleichmässig verteilt sind.

Licht der Zukunft

Weil LED sehr energieeffizient sind, gelten sie als Licht der Zukunft. Zu einem ernsthaften Problem für Menschen mit Schlafproblemen sollten sie dereinst aber nicht werden, hoffen Schlafforscher. Denn in Zukunft sollte es möglich sein, LED ohne erhöhten Blauanteil zu designen. Erste erfolgreiche Experimente und Produkte gebe es bereits.

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