Fuchsbandwurm – Mehr Fälle, aber wenig Grund zur Sorge

Die Fuchsbandwurm-Krankheit ist beängstigend und kann lebensgefährliche Folgen haben, aber sie ist sehr selten: Pro Jahr bekommen lediglich 20 bis 30 Menschen in der Schweiz diese Diagnose. Hygiene-Massnahmen verringern das Risiko, mit den Eiern des Fuchsbandwurms infiziert zu werden.

Ein Fuchs frisst auf einer Wiese eine Wühlmaus

Bildlegende: Infizierte Mäuse, die von Füchsen oder Hunden gefressen werden, tragen zur Verbreitung des Fuchsbandwurms bei. imago

Für die Zunahme der Fuchsbandwurm-Erkrankungen gibt es einen einfachen Grund: Es gibt mehr Füchse. Ihr Bestand hat sich seit den 1980er Jahren fast vervierfacht. Dies erklärt, warum es vor dem Jahr 2000 jährlich 10 bis 15 neue Fuchsbandwurm-Patienten gab, während es seit dem Jahr 2000 laut Fachleuten gut doppelt so viele sind.

Erkrankungen treten nicht mehr vorwiegend auf dem Land auf, sondern auch in städtischem Gebiet, vor allem in Agglomerationen. Denn auch hier leben Füchse und finden gute Nahrung.

Trotzdem bleibt die Fuchsbandwurm-Krankheit sehr selten: Das Risiko einer Infektion ist vergleichbar mit der Gefahr, auf einem Fussgängerstreifen zu sterben (20 Fälle im Jahr 2015) und etwa 24 Mal geringer, als sich als Fussgänger im Strassenverkehr schwer zu verletzen (600 Fälle 2015).

Für Füchse ungefährlich

35 bis 65 Prozent der Füchse sind vom Fuchsbandwurm befallen. Der Fuchsbandwurm «Echinococcus multilocularis» ist ein wenige Millimeter grosser Parasit. Er lebt im Dünndarm von Füchsen, selten auch von Hunden. Fuchs und Hund sind Endwirte des Fuchsbandwurms. Ihnen bereitet der Parasit in der Regel keine Probleme. Mit dem Kot scheiden die Endwirte jedoch Fuchsbandwurmeier aus. Diese Eier werden von Zwischenwirten aufgenommen, vor allem von Mäusen. Im Magen des Zwischenwirts schlüpfen aus den Eiern Larven, die durch die Blutbahn in die Leber gelangen. Die Larven bilden hier krebsartig wuchernde Blasen, in denen Vorstadien neuer Fuchsbandwürmer entstehen.

Fressen Füchse oder Hunde infizierte Mäuse, entwickeln sich aus den Wurm-Vorstadien neue Bandwürmer. Der Mensch ist sozusagen ein «falscher» Zwischenwirt. Die wuchernden Larvenanlagen führen beim Menschen zur Fuchsbandwurmkrankheit, welche die Leber zerstören kann.

Fuchskot findet man nicht nur in freier Natur, sondern auch in Gärten, auf Spielplätzen, Sport- und Freizeitanlagen. Die schwärzlichen Kothäufchen sehen ähnlich aus wie Katzendreck, enthalten aber unverdaute Fruchtkerne, Weizenkörner oder Maushaare. Auch wenn der Kot schon längst wieder verschwunden ist: Die mikroskopisch kleinen Eier des Fuchsbandwurms überleben monatelang.

Ansteckungswege und Erkrankungsrisiko

Wie genau sich Menschen mit den Eiern des Fuchsbandwurms anstecken, ist im Einzelfall nicht bekannt. Mögliche Wege sind: über erdbeschmutzte Hände, Beeren, rohes Gemüse oder infizierte Hunde. Die Menge der Eier dürfte eine Rolle spielen.

Man nimmt an, dass unser Immunsystem sich in einem gewissem Mass gegen die gefährlichen Eier wehren kann. Gelingt das jedoch nicht, dringen die Eier in die Leber ein und entwickeln sich dort zu Larven. In der Fachsprache wird diese Krankheit «alveoläre Echinokokkose» genannt.

Diagnose/Behandlung

Das Heimtückische an der Fuchsbandwurmkrankheit ist, dass sie jahrelang unbemerkt bleibt: 5 bis 15 Jahre dauert es von der Ansteckung mit Wurmeiern und den ersten Beschwerden. Eindeutige Symptome gibt es nicht. Ein Drittel der Betroffenen erkrankt an Gelbsucht, ein Drittel spürt Schmerzen im Oberbauch, und bei einem Drittel wird die Krankheit zufällig bei einer medizinischen Untersuchung entdeckt.

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Vorsicht vor dem Fuchs ist angebracht, aber keine Panik

3:21 min, aus Puls vom 3.9.2012

Am wirksamsten ist die operative Entfernung der befallenen Teile der Leber. Etwa die Hälfte der Betroffenen ist nicht operabel, weil lebenswichtige Blutgefässe der Leber mitbefallen sind oder es bereits zu Ablegern in anderen Organen gekommen ist. Diese Patienten müssen Medikamente nehmen, die das Wachstum der Larven stoppen.

Da es die Larven nicht abtöten kann, müssen sie das Medikament lebenslang einnehmen. Auch operierte Patienten werden vorsichtshalber während mindestens zwei Jahren mit diesem Medikament therapiert, um die Neubildung von Larven zu verhindern. Während die Krankheit früher meist tödlich verlief, sind Todesfälle heute selten geworden.

Bluttest zur Abklärung

Um abzuklären, ob man jemals mit Eiern des Fuchsbandwurms zu tun hatte, kann man beim Hausarzt einen Bluttest machen. Zeigt das Resultat, dass es einen Kontakt gab, wird mit bildgebenden Verfahren untersucht, ob die Leber befallen ist. Möglicherweise konnte sich das Immunsystem aber auch gegen den Fuchsbandwurm wehren und die Eier abtöten.

Vorsichtsmassnahmen

  • Bodenbeeren, Pilze, Fallobst sowie Salat und Gemüse aus Freilandkulturen gründlich waschen, wenn möglich gekocht essen. Die Eier sterben beim Kochen ab (jedoch nicht durch Tiefkühlen!).
  • Fuchskot in Gärten und auf Spielplätzen entfernen (nicht in den Kompost geben – die Eier überleben).
  • Den Wohnbereich nicht mit Gartenschuhen betreten.
  • Nach Gartenarbeiten und Kontakt mit Hunden die Hände gründlich waschen.
  • Hunde, die Mäuse jagen, können ebenfalls Fuchsbandwürmer haben. Deshalb Hunde einmal im Monat entwurmen. Infizierte Hunde nach Behandlung duschen, Hände waschen.
  • Tote Füchse nicht mit blossen Händen anfassen

(Die Aufnahmen von Füchsen und Mäusen im «Puls»-Beitrag zum Fortpflanzungs-Kreislauf des Fuchsbandwurms wurden gedreht von Felix Labhardt, Basel.)

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