Im digitalen Dauerrausch

Die Verlockungen der Onlinewelt sind gross und vielfältig. Aber ist man schon internetsüchtig, wenn man häufig online ist?

Das Internet und besonders seine ständige Verfügbarkeit dank Smartphone & Co. haben unseren Alltag und unsere Mediennutzung nachhaltig verändert. Im Netz surfen, Mails und Messages checken und beantworten, Videostreams schauen und online gamen – der Aufenthalt in der virtuellen Welt nimmt einen schönen Teil unserer Zeit in Anspruch.

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Die Handyrevolution kommt

5:29 min, aus 10vor10 vom 10.7.2008

Gemäss einer seit 2010 alle zwei Jahre durchgeführten Umfrage sind Jugendliche unter der Woche im Schnitt zwei Stunden pro Tag online, am Wochenende oder während der Ferien deren drei.

Die reine Nutzungsdauer alleine sagt aber nichts über allfälliges Suchtverhalten aus, betont die Medienpsychologin und Psychotherapeutin Isabel Willemse. «Schwierig wird es erst, wenn sich die Balance zur Onlinewelt hin verschiebt und diese die Offlinewelt immer mehr verdrängt.» Von diesem Problem betroffen seien schätzungsweise ein bis fünf Prozent der Bevölkerung und sicher mehr Junge als Ältere. Gesicherte Zahlen gibt es allerdings nicht, was auch darauf zurückzuführen ist, dass es die medizinische Diagnose «onlinesüchtig» offiziell noch gar nicht gibt.

Unterschiedliche Wahrnehmung

Da die zweijährlich erhobene Nutzungsdauer pro Tag seit der ersten Umfrage 2010 nicht zugenommen hat (die Ergebnisse von 2015 stehen allerdings noch aus), deutet auch einiges darauf hin, dass das scheinbare Suchtverhalten oft gar keines ist. Wenn Kinder ständig online sind, kann das nämlich auch am Druck liegen, im Kollegenkreis mitreden zu können und am Wunsch, bei Gleichaltrigen Anschluss zu finden.

Während sich Eltern vor allem Sorgen machen, wenn ihr Kind bis spät in die Nacht hinein spielt, surft oder mit dem Handy beschäftigt ist, ist die grösste Sorge der Kinder denn auch, dass ihnen die Eltern das Gerät wegnehmen.

Regeln aufstellen und durchsetzen

Wird die Onlinenutzung als problematisch empfunden, stehen verschiedene Beratungsangebote zur Verfügung. Es kann aber auch schon helfen, gemeinsam einen Mediennutzungsvertrag für die Familie aufzustellen. «Die Kinder schlagen dabei oft die strikteren Einschränkungen vor als die Eltern», weiss Isabel Willemse aus Erfahrung. So oder so komme es aber darauf an, dass die Regeln konsequent durchgesetzt werden und Verstösse Konsequenzen haben. «Nur dann werden die Regeln ernst genommen», betont die Psychologin.

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