Kiffer kennen sich aus

Prävention durch Information - so lautete bislang das Motto von Anti-Sucht-Kampagnen. Eine Studie zeigt nun: Cannabis-, Alkohol oder Tabakkonsumenten sind über die Risiken gut informiert.

Ein junger Mann zieht an einem Joint.

Bildlegende: Besonders regelmässige Kiffer betrachten sich selbst als gut informiert über die Risiken ihres Cannabis-Konsums. Keystone

Egal, ob es um Alkohol, Nikotin oder Cannabis geht - die Informationen beziehen die Konsumenten über das Internet und kennen sich infolge dessen besser mit den Risiken aus als Abstinente. Dieser Ansicht sind die Konsumenten zumindest selbst, zeigt eine Teilerhebung der nationalen Kohortenstudie C-SURF, die vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin und dem Waadtländischen Universitätsklinikum geleitet wird. Die Studie soll den Gebrauch verschiedener Suchtmittel unter jungen Männern identifizieren und langfristig verfolgen. Dazu wurden rund 12‘000 Männer im Rahmen ihrer Rekrutierung für den Militärdienst befragt.

Dabei zeigte sich: 91 Prozent der jungen Schweizer Männer im Alter um die 20 Jahre trinken Alkohol, knapp die Hälfte von ihnen jeweils sechs oder mehr Getränke nacheinander. 44 Prozent der Männer rauchen Zigaretten, der Grossteil von ihnen mindestens eine täglich. Gut jeder Dritte in diesem Alter raucht zudem Joints, mehr als die Hälfte davon kifft mindestens zweimal pro Woche.

Infos aus dem Internet

16 Prozent der Männer haben sich in den zwölf Monaten vor der Befragung via Internet über die Suchtmittel informiert. Jeder fünfte regelmässige Trinker und Raucher und mehr als jeder dritte regelmässige Kiffer las im Internet nach. Damit machten sich die Konsumenten deutlich häufiger auf die Suche nach Informationen als Abstinente. Je riskanter der Umgang mit dem jeweiligen Suchtmittel, desto intensiver die Suche. Damit fühlten sich über 70 Prozent der Konsumenten sehr gut über die Folgen ihres Suchtmittelkonsums informiert.

Das Wissen um die Risiken hält die Männer offenbar nicht vom Konsum ab. Das Ergebnis stellt so den Sinn bisheriger Präventionskampagnen in Frage, will man mit ihnen auch Menschen erreichen, die bereits Erfahrungen mit Alkohol, Nikotin oder Cannabis haben. «Information alleine reicht noch nicht als Präventivmassnahme. Es braucht differenziertere Ansätze für die aufgeklärten Konsumenten, die die Kompetenzen der gut informierten Jugendlichen und jungen Erwachsenen berücksichtigen», bestätigt Meichun Mohler-Kuo, Dozentin am Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Uni Zürich.