Mit sauberen Händen gegen EHEC & Co.

Ohne Darmkeime können wir nicht leben, die falsche Art am falschen Ort ist für aber alles andere als bekömmlich: Infektionen mit via Rohgemüse verbreitete EHEC-Bakterien haben in Deutschland sogar Todesopfer gefordert und erinnern daran, dass auch in Privatküchen hygienische Mindeststandards gelten.

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Mit sauberen Händen gegen EHEC & Co.

8:38 min, aus Puls vom 30.5.2011

Das Schreckgespenst der vergangenen Woche gehört einer an sich höchst nützlichen Gattung an, ohne die wir nicht überleben könnten: Kolibakterien sorgen im Darm von Mensch und Tier dafür, dass die Verdauung in Gang bleibt und wehren Krankheitserreger ab. Kolibakterien gelangen über den Stuhl auch immer wieder in die Aussenwelt und bevölkern unbemerkt unseren Alltag - was bei üblichen Hygienestandards höchstens ein ekliger Gedanke ist, aber kein gesundheitliches Problem darstellt.

Anders sieht das bei der Gattung «Enterohämorrhagische Escherichia Coli» (EHEC) aus: Sie ist eine Sonderform der Kolibakterien, die im menschlichen Darm normalerweise nicht vorkommt. Zu finden sind die EHEC-Bakterien bei Rindern und anderen Wiederkäuern, wo sie keine Erkrankungen auslösen. Eine Übertragung auf den Menschen ist vom Tier resp. von Lebensmitteln tierischen Ursprungs möglich sowie über Lebensmittel, die bei der Produktion mit tierischem Kot (Dünger) in Kontakt gekommen sind. EHEC kann bei unzureichender Hygiene auch von Mensch zu Mensch übertragen werden.

Wie machen sich EHEC-Bakterien bemerkbar?

Im Gegensatz zu normalen Kolibakterien produzieren EHEC Giftstoffe. Diese werden im Darm freigesetzt und können beim Menschen schwere Erkrankungen auslösen.

Häufig verläuft eine EHEC-Infektion ohne Symptome und heilt spontan aus. Der Erreger wird jedoch trotzdem 1 bis 3 Wochen ausgeschieden und kann bei mangelhafter Hygiene andere Menschen anstecken.

Machen sich Symptome bemerkbar, kommt es meist nach 1 bis 8 Tagen zu Übelkeit, Erbrechen und leichtem wässrigem Durchfall bis hin zu blutigen Stühlen und schmerzhaften Bauchkrämpfen.

In schweren Fällen (5 bis 10 Prozent der Erkrankten) können die EHEC-Gifte nach überstandenen Darmbeschwerden zu Blutarmut, einer Gefässschädigung mit Blutgerinnungsstörungen sowie Nierenfunktionsstörungen (hämolytisch-urämisches Syndrom HUS) führen. Das HUS führt bei 1 bis 5 Prozent der zumeist betroffenen Kinder zum Tod und kann bei den Überlebenden gravierende bleibende Gesundheitsschäden (Bluthochdruck, beeinträchtigte Nierenfunktion) nach sich ziehen.

Wie werden die EHEC-Bakterien übertragen?

Mögliche Infektionsquellen bei Übertragung durch Lebensmittel:

  • Rohes/unzureichend gegartes Fleisch oder nicht korrekt gereifte Rohfleischprodukte.
  • Rohe oder unzureichend erhitzte Milch.
  • Pflanzliche Lebensmittel (z.B. Gemüse, Tee, Gewürze), die mit infiziertem Tierkot / Gülle verunreinigt sind.
  • Verunreinigtes Trink- und Badewasser.

Übertragung durch Tierkontakte: Das Fell von Rindern, Schafen oder Ziegen ist häufig mit Kot verunreinigt. Durch Berühren und Streicheln der Tiere können dann EHEC-Bakterien auf die Hände und von dort direkt oder über Lebensmittel in den Mund gelangen.

Übertragung von Mensch zu Mensch: EHEC-Bakterien, die mit dem Stuhl ausgeschieden werden und wegen mangelhafter Hygiene auf Hände oder Gegenstände (Spielzeug, Handtücher) gelangen, können durch Schmierinfektion übertragen werden. Beispielsweise innerhalb von Toilettengemeinschaften (in Familien oder Kindergärten) oder bei der Pflege von Kranken (z.B. beim Wickeln erkrankter Säuglinge).

Wie schütze ich mich vor den EHEC-Bakterien?

Da sich die Folgen einer EHEC-Ansteckung häufig schwierig behandeln lassen, kommt der Vermeidung einer Ansteckung grösste Bedeutung zu. Dafür reicht bereits das Einhalten einfacher, wirkungsvoller Grundregeln:

  • Hände regelmässig waschen, vor allem immer bevor man mit Lebensmitteln umgeht:
  • Küchentücher aus Stoff möglichst alle zwei Tage wechseln
  • Geschirr- und Handtücher nach Gebrauch zum Trocknen aufhängen (Feuchtigkeit ist ein guter Nährboden!)
  • Hände und Küchenutensilien nach Kontakt mit rohem Fleisch waschen respektive abspülen
  • Rohes Gemüse vor dem Verzehr gut waschen und/oder schälen