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Alltag & Umwelt Problematische Blickrichtung im Kinderwagen

In modernen Buggys ist die Blickrichtung der Kinder meist nach vorn gerichtet. Bei der Entdeckung der Welt brauchen Babys jedoch den Blickkontakt mit der vertrauten Person, sagt eine britische Studie.

Legende: Video Stress im Kinderwagen abspielen. Laufzeit 0:34 Minuten.
Aus Puls vom 10.06.2013.

Die deutsche Stiftung «Für Kinder» kämpft für ein Umdenken, was die Blickrichtung von Babys in Kinderwagen betrifft. Denn in den meisten modernen Kinderwagen blicken die Babys nach vorn und dies könne die Entwicklung des Kindes beeinträchtigen. Begründet wird dies mit den Ergebnissen einer britischen Studie, die untersucht hatte, welche Auswirkung die Blickrichtung des Kindes im Kinderwagen auf die Kommunikation zwischen Eltern und Kindern und auch auf das Stressniveau der Kinder hat.

Die Wissenschaftler werteten einerseits eine nationale Erhebung aus, bei welcher mehr als 2000 Eltern-Kind-Paare beobachtet wurden, um die soziale Interaktion der Familien, während der Benutzung von Kinderwagen methodisch zu untersuchen. Andererseits wurde in einem Experiment untersucht, wie sich die zwei verschiedenen Blickrichtungen im Kinderwagen (in Fahrtrichtung oder in Richtung Eltern) auf die Kommunikation zwischen Eltern und Kind und auch auf mögliche Anzeichen von Stress bei den Babys (z.B. Herzrasen) auswirken.

Mehr Stress, weniger Interaktion

Das Ergebnis zeigt denn auch: Kinder, die mit Blick in Fahrtrichtung transportiert werden, sind weniger kommunikativ. Sie lachen und interagieren weniger mit ihren Eltern, als Kinder, die mit Blick zu ihren Eltern transportiert werden.

Es zeigte sich zudem, dass Kinder mit Blickrichtung nach vorne, einen leicht erhöhten Puls haben und nur halb so oft im Kinderwagen schlafen, wie Kinder, die nach hinten blicken. Die Forscher werten das als deutliche Anzeichen dafür, dass die Kinder durch die «Blick-Nach-Vorne-Situation» gestresst sind, da sie von den auf sie zukommenden Eindrücken überfordert werden.

Die durch die «Blick-Nach-Vorne-Situation» verminderte Interaktion zusammen mit dem erhöhtem Stress sei problematisch, da gerade Kinder in dem für ihre Entwicklung entscheidenden Alter von sechs Monaten bis zweieinhalb Jahren meist täglich längere Zeit im Kinderwagen verbringen.

Die britischen Forscher und neuerdings auch die deutsche Stiftung «Für Kinder» fordern deshalb die Hersteller auf, zukünftig Kinderwagen mit variabel einstellbarem Sitz zu konstruieren, so dass das Kind je nach Entwicklungsstand und Bedürfnissen nach hinten oder nach vorne blicken kann.

8 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Ochsenbein, Bern
    Vielleicht schlafen die Kinder weniger, interagieren weniger mit ihren Eltern und haben einen höheren Puls, wenn sie nach vorne schauen können, weil der Blick nach vorne einfach spannender ist? Zudem ist dabei ihre Position aufrechter, was wohl ebenfalls Einfluss darauf hat, wie viel ein Kind schläft... Es scheint, die Studie steht auf recht wackligen Füssen.
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  • Kommentar von paul menz, 4144 arlesheim
    Das ist alles sehr einleuchtend, dazu bräuchte es nicht mal eine Studie! Nur: Wenn die Kinder dann die Blickrichtung zur Mutter oder zur entsprechenden Bezugsperson haben, sollte diese Person dann auch Blickkontakt zum Kind aufnehmen und nicht ständig ihren Blickkontakt auf das Handy richten, wie ich sehr oft erfahren muss!
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  • Kommentar von Marianne Roe, Gwatt
    Die Kinder tun mir immer sehr leid, wenn sie ihre Eltern nicht einmal sehen können, schon am Morgen früh auf dem Weg in die Kita. Die Eltern würden mit den heutigen Kinderwagen nicht einmal merken, wenn ein Kind sterben würde. Ich bin 62 Jahre alt und spüre die Notwendigkeit des Kontaktes zum Kind. Ich glaube, dass sich die heutigen Eltern immer weiter von ihren Kindern entfernen. Sie arbeiten lieber, sie überlassen die Erziehung fremden Leuten usw. Für mich ist diese Entwicklung sehr traurig.
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    1. Antwort von M. Roes, Schwatt
      stellen Sie sich vor, sie wären Jünger, dann wären sie flexibler und anpassungsfähiger und offener für neues. Die alten Menschen verlieren so viel, was sie von den Kindern dann erwarten ist auch nicht aktuell. In der heutigen welt ist es auch von Vorteil, wenn man sich anpassen kann und das lernen die Kinder schon, in dem sie in die Kita gehen… Umgang mit anderen Kindern soziale Kontakte mit anderen Familien. Wie langweilig wäre ein leben eines Einzelkindes in der Famile bei der braven Hausfrau
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    2. Antwort von S.B., Basel
      @M.Roes aus Schwatt: Ich denke nicht, dass unsere ältere Dame hier oben, nicht anpassungsfähig ist! Sie macht sich immerhin Gedanken um die Kinder und die heutigen Eltern. Ich finde im übrigen, dass sie Recht hat. Von wegen die Kinder lernen sich anzupassen, indem sie in die KiTa gehen. Klar lernen sis dann, aber der Sinn von Kindern ist nicht, beide Eltern arbeiten 100% und die KiTa übernimmt die Erziehung! Ein Kind ist da, um bei seinen Eltern aufzuwachsen und die Liebe zu spüren.
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    3. Antwort von S.B., Basel
      Ich persönlich finde, dass die Kinder früh genug lernen sich anzupassen, allerspätestens im Kindergarten, dann in der Schule und dann auch in der Lehre. Man erhält früh genug die Chance viiiel zu lernen, das muss nicht schon in einer KiTa sein. Ihr Leben war anscheinend extrem langweilig bis jetzt. Also meine Mami hat es mit mir und meiner Schwester sehr gut gemacht und wir hatten immer Spass. Obwohl sie eine brave Hausfrau war. Nur, wir haben immernoch ein sehr gutes Verhältnis und ...
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    4. Antwort von S.B., Basel
      es mag ja gut sein, wenn die Kinder den sozialen Umgang schon früh lernen, jedoch lernen sie den auch wenn man sich mit anderen Mamis trifft und etwas unternimmt... So, ende meines Romans. Ich finde nur, dass sie nicht per se behaupten können dass alte Menschen unflexibel, nicht anpassungsfähig und verschlossen sind. Dies stimmt so sicher nicht!!!
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