Saison für Zecken

Die Zecken haben eine lange Fastenzeit hinter sich und stechen deshalb jetzt wieder eifrig zu. Gute Kleidung und eine Impfung schützen – aber nicht zu 100 Prozent.

Eine Zeckenzange mit einer Zecke.

Bildlegende: Fest im Griff: Zecken mit gleichmässigem Zug aus der Haut ziehen. imago

Die letzte Mahlzeit der Zecken liegt weit zurück: Im Herbst haben sie zuletzt Blut gesaugt. Wie es ihnen dann den Winter über ergeht, hängt sehr von den Temperaturen ab: Verläuft er mild mit Temperaturen zwischen null und sieben Grad, bleiben die Zecken aktiv und krabbeln im Wald umher, ohne jedoch zuzustechen, denn das tun sie nur bei Temperaturen über sieben Grad.

Während eines milden Winters verbrauchen die kleinen Spinnentiere deshalb zu viel Energie und verhungern. Ist der Winter dagegen hart mit langen Perioden unter null Grad verfallen die Zecken in eine Art energiesparende Winterstarre. Ist es dann wieder warm genug, bewegen sich die Blutsauger wieder und machen sich auf die Suche nach einem Wirt.

Dabei halten sich die Zecken am liebsten im Unterholz von Wäldern, am Waldrand, auf Waldlichtungen und in Parks auf, klettern dabei jedoch nie höher als einen Meter über Boden. Hier warten sie, bis ein passender Wirt vorbeikommt, auf den sie sich fallen lassen können: Sei es Hund, Katze, Maus oder Reh – oder eben ein Mensch.

Der Stich

Die Zecke bevorzugt für ihren Stich versteckte Orte wie Kniekehlen, Schamgegend, Bauchnabel, Achselhöhlen, Haaransatz oder die Region hinter den Ohren. Ihr Stich schmerzt nicht – zu 80 Prozent wird er deshalb gar nicht bemerkt. Dies kann Folgen für die Gesundheit haben, denn Zecken können Überträger gefürchteter Krankheitserreger sein.

Besonders die ganz jungen, nur millimetergrossen Zecken, die sogenannten Nymphen, sind tückisch. Das ist die Entwicklungsstufe zwischen Larve und erwachsener Zecke.

Diese Zecken sind sind zehnmal gefährlicher in Hinblick auf Infektionen als ausgewachsene. Denn wenn sich die Nymphe dann schlussendlich in die Zecke verwandelt, verliert sie 90 Prozent der Erreger, die sie in sich trägt, wieder.

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Die FSME ist eine Viruserkrankung des Hirns, der Hirnhaut oder des Nervensystems. Im Durchschnitt erkranken jährlich zwischen 100 und 200 Menschen in der Schweiz daran. Die Krankheit verläuft im typischen Fall in zwei Schüben. In einer ersten Phase können bei einem Teil der Betroffenen grippeähnliche Symptome wie Kopfschmerzen, Fieber, Müdigkeit oder Gelenksbeschwerden auftreten, die nach wenigen Tagen wieder verschwinden. Für einen grossen Teil der Patienten ist die Krankheit damit vorüber und es besteht eine grosse Chance, dass sie danach lebenslänglich immun dagegen sind.

Nur bei fünf bis 15 Prozent der Patienten kommt es zu einer zweiten Krankheitsphase. Dabei wird das zentrale Nervensystem befallen. Die Folge dieser Hirnhaut- oder Hirnentzündung sind starke Kopfschmerzen, Lichtscheu, Schwindel, Konzentrations-, Sprech- und Gehstörungen. Bei einem Teil der Patienten treten Lähmungen der Beine, Arme oder der Gesichtsnerven auf, die zu bleibenden Behinderungen führen können. Etwa ein Prozent der Betroffenen stirbt an der Krankheit. Die Behandlung zielt auf eine Linderung der Symptome ab, eine spezifische Therapie gibt es nicht.

Die Impfung schützt

Die Gefahr, bei einem Zeckenstich an FSME zu erkranken, ist relativ gering. Nur zwischen 0,3 und drei Prozent der Zecken sind Träger des Virus. Doch wer sich in Risikogebieten aufhält, wird unter Umständen auch öfters gestochen, und das Risiko steigt. Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt deshalb Kindern und Erwachsenen, sich gegen FSME impfen zu lassen. Eine vollständige Impfung beinhaltet drei Impfdosen: zwei Impfdosen im Abstand von einem Monat und eine dritte nach fünf bis zwölf Monaten. Danach wird eine Auffrischung alle zehn Jahre empfohlen.

Lyme-Borreliose

Grösser ist die Gefahr, nach einem Zeckenstich an Lyme-Borreliose zu erkranken. Die Erreger nisten sich schon eine halbe bis eine Stunde nach dem Stich in die Haut ein. Wird die Krankheit nicht rechtzeitig erkannt und mit Antibiotika behandelt, kann das schwere Folgen für die Gesundheit haben. Von der Borreliose können praktisch alle Organe betroffen sein – am häufigsten sind es Haut, Gelenke, Muskeln, Nervensystem oder das Herz. Die Krankheit verläuft in verschiedenen Stadien:

  • 1. Stadium Grippeähnliche Symptome können auftreten und die Einstichstelle kann sich entzünden. Dies geschieht aber nur bei rund 20 Prozent der Patienten. Breitet sich der lokale Hautausschlag flächenartig zur sogenannten Wanderröte aus, sollte sofort der Arzt aufgesucht und mit einer Antibiotikatherapie begonnen werden. Wird eine Borreliose frühzeitig erkannt und behandelt, so bestehen beste Aussichten auf eine vollständige Heilung.
  • 2. Stadium Gelangen die Borrelien von der Haut ins Blut, können sie sich im ganzen Körper ausbreiten. Mit Vorliebe nisten sie sich in den Gelenken ein, befallen das Nervensystem und das Herz. Nicht selten hat der Patient Glück und sein Körper bildet von allein genügend Abwehrmechanismen, um den Infekt zu bekämpfen. Auch in diesem Stadium kann eine Behandlung mit Antibiotika Abhilfe schaffen, vorausgesetzt, die Borreliose wird erkannt.
  • 3. Stadium Wird auch im zweiten Stadium die Krankheit nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, so können bleibende Schäden (z. B. Arthrosen und starke Gelenkschmerzen, Hautatrophien, Persönlichkeitsveränderungen, chronische Muskelschmerzen, Koordinationsprobleme, ständige Müdigkeit) entstehen, welche bis zur (teilweisen) Invalidität führen können. In diesem Stadium können nur noch die Symptome und die Schmerzen behandelt werden. Eine Heilung ist nicht mehr möglich.

Schwierige Diagnose

In vielen Fällen ist es schwierig, eine Borreliose zu diagnostizieren, weil die meisten Symptome für diese Krankheit so diffus sind, dass sie auch zahlreiche andere Ursachen haben könnten. Im Bluttest können zwar Antikörper nachgewiesen werden, doch haben zehn bis 15 Prozent der Schweizer Bevölkerung Borrelien-Antikörper zur Bekämpfung der Erreger im Blut, ohne jemals an Borreliose erkrankt zu sein. Zu einem positiven Bluttestergebnis braucht es auch ein typisches Beschwerdebild sowie den Ausschluss anderer möglicher Krankheiten.

Das schützt

  • Impfung gegen FSME
  • geschlossenes Schuhwerk, lange Hosen, Oberkleider mit langen Ärmeln
  • Körper nach Zecken absuchen. Duschen reicht nicht, denn Zecken bleiben in der Haut, bis sie satt sind.
  • Zecken schnell wie möglich entfernen.
  • Bei starker Rötung der Haut und bei grippeähnlichen Symptomen sofort den Arzt konsultieren.

Zecken richtig entfernen

Zecken sollte man möglichst schnell entfernen: direkt mit einer Pinzette (notfalls auch mit den Fingernägeln) nahe an der Haut packen und mit geradem, gleichmässigem Zug herausziehen. Auch wenn der Stechapparat in der Haut bleibt, besteht die Gefahr einer Übertragung einer Krankheit nicht mehr. Anschliessend die Hauteinstichstelle desinfizieren.