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Alltag & Umwelt Sexualaufklärung im digitalen Zeitalter

Sex ist in der heutigen Gesellschaft allgegenwärtig, und Pornografie ist im Internet auch für Kinder leicht zugänglich. Heranwachsende sind oft schon früh mit Sexualität konfrontiert. Aufklärung ist deshalb so wichtig wie eh und je.

Legende: Video «Aufklärung in der digitalen Zeit» abspielen. Laufzeit 17:00 Minuten.
Aus Puls vom 02.09.2013.

Ein paar Klicks, mehr braucht es nicht. Das Internet bietet gerade bei sensiblen Themen wie der Sexualität einen niederschwelligen Zugang. Seine Anonymität macht den virtuelle Raum bei Jugendlichen als Informationsquelle sehr beliebt. Soziale Netzwerke dienen dazu, Bekanntschaften zu schliessen, sich über Sexualität auszutauschen und um Grenzen auszuloten. Dazu gehört auch die Pornografie, die im Internet selbst für Minderjährige leicht zugänglich ist.

So zeigt eine Schweizer Schülerstudie aus dem Jahr 2009, dass 52 Prozent aller Jugendlichen zwischen 11 und 16 Jahren bereits mit Pornografie in Kontakt gekommen sind. Das ist nicht unproblematisch: Speziell bei Kindern, die diesbezüglich noch keine eigenen Erfahrungen gesammelt haben, kann das das Bild von Sexualität verzerren.

Sexualpädagogen wie Bernadette Schnider von der Stiftung «Berner Gesundheit» betonen deshalb, wie wichtig es ist, dass Eltern und Schule aktiv Sexualaufklärung betreiben, um das Thema nicht allein den Medien und dem Pausenplatz zu überlassen. Gespräche helfen, falsche Vorstellungen und Irritationen zu thematisieren und den Jugendlichen Kompetenz im Umgang mit den neuen Medien zu vermitteln, so dass sie Gefahren frühzeitig erkennen können, aber auch wissen, wo altersgerechte Informationskanäle zu finden sind (siehe «Mehr zum Thema»).

Körperteile benennen können

Sexualaufklärung wird aber nicht erst mit dem Beginn der Pubertät aktuell. Vielmehr sollten Eltern so früh wie möglich mit der Aufklärung beginnen. Bereits Kindern im Vorschulalter kann man altersgerecht erklären, wie die Geschlechtsorgane heissen. Denn sie sollten einen Wortschatz haben, um ihren ganzen Körper benennen zu können. Dies soll Kinder auch vor sexuellem Missbrauch schützen. Denn wer sich ausdrücken kann, holt in Notsituationen schneller Hilfe.

Es gilt deshalb, immer wieder bewusst Gelegenheiten zu schaffen und zu nutzen. So kann der Geburtstag als Anlass dienen, um dem Kind zu erklären, wie es im Bauch gewachsen und dann zur Welt gekommen ist. Vielleicht will es anschliessend auch wissen, wie es in den Bauch hineingekommen ist. Jüngere Kinder haben eine angeborene Neugier, die es zu nutzen gilt.

Den eigenen Körper verstehen

Vor der Pubertät sollten die Mädchen und Jungen dann auf die bevorstehenden körperlichen Veränderungen vorbereitet sein. Denn wie jemand seinen eigenen Körper erlebt und bewertet, hat grossen Einfluss auf sein Selbstwertgefühl.

Legende: Video «Was Jugendliche zur Aufklärung meinen» abspielen. Laufzeit 3:31 Minuten.
Vom 29.08.2013.

Der Verein MFM-Projekt bietet beispielsweise spezielle Workshops an, die Viert- und Fünftklässler auf eine Entdeckungsreise durch ihren Körper schicken. Ziel ist es, die Vorgänge rund um die Pubertät wie Zyklusgeschehen, Samenerguss, Fruchtbarkeit und die Entstehung neuen Lebens kennenzulernen und zu verstehen. So sollen die Heranwachsenden lernen, ihren Körper zu schätzen und deshalb auch zu schützen.

Verhütung, Geschlechtskrankheiten, der Geschlechtsakt, aber auch Gefühle und Beziehungen sollten ebenfalls Thema sein. Das kann in der Schule geschehen, aber auch durch die Eltern oder andere Vertrauenspersonen. Sexualpädagogen betonen, dass gerade im digitalen Zeitalter Kinder und Jugendliche auf dem Weg zu einer selbstbestimmten und verantwortungsvollen Sexualität Begleitung und verlässliche Gesprächspartner brauchen.

«Jugendsexualität heute» – die wichtigsten Zahlen

Interessante Fakten aus verschiedenen Schweizer Untersuchungen zum Thema «Jugend und Sexualität»:

  • 95 Prozent der befragten 12- bis 20-Jährigen glauben, «gut» bis «sehr gut» aufgeklärt zu sein.
  • 77 Prozent glauben zu wissen, wann eine Schwangerschaft möglich ist. Jedoch nur 48 Prozent kannten den biologisch wahrscheinlichsten Zeitpunkt einer Schwangerschaft.
  • Jedes fünfte Mädchen hat ihre Periode mit elf Jahren.
  • 52 Prozent aller Jugendlichen zwischen 11 und 16 Jahren sind bereits mit Pornografie in Kontakt gekommen.
  • 28 Prozent der Mädchen und 9,5 Prozent der Jungen sagen, dass sie über elektronische Medien sexuell belästigt worden sind.
  • 18 Prozent der Mädchen und 29 Prozent der Jungen haben keinen Ansprechpartner für sexuelle Themen.
  • Die meisten Jugendlichen erleben ihr erstes Mal im Alter zwischen 16 und 17 Jahren.
  • 86 Prozent haben beim ersten Geschlechtsverkehr verhütet.
  • Auf 1000 15- bis 19-jährige Frauen kamen im Jahr 2011 nur 2,3 Geburten. Damit hat die Schweiz eine der tiefsten Rate von Teenagerschwangerschaften weltweit.

Quellen: Sexuelle Übergriffe an Kindern und Jugendlichen in der Schweiz. Optimusstudie 2012; Jugendsexualität im Wandel der Zeit. Bericht der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen EKKJ 2009; Aufklärungsmittel Pornografie? Eine Bestandesaufnahme zum Pornografiekonsum von Jugendlichen, Lizentiatsarbeit von M.-L. Nussbaum 2009.

Fokus Sexualität

All you need is love? In der Themenwoche Intim auf SRF myschool dreht sich alles um die schönste Nebensache der Welt. Die neue Reihe «Erste Liebe» lässt Jugendliche offen und direkt über ihre Liebeserfahrungen erzählen. Die Beiträge «Das Kondom», «Die Pille» und die Reihe «So liebt die Welt» ergänzen diese.

6 Kommentare

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  • Kommentar von Monika Bayard, Steg
    Schön, dass sich das SRF um die Sexualerziehung der Kinder bemüht, diese Woche in der Puls Sendung. Warum sitzen da nicht Eltern, welche Kritik an Sexualerziehung üben? Zum Beispiel Ulrike Walker oder Regula Lehmann, welche sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Erklären Sie mir den präventiven Wert des Links www.lilli.ch. Eine einfache Lösung. Verschiedenen Organisationen bieten Kurse ausserhalb der Schule an. Eltern und Kinder entscheiden , wann und welches Projekt sie besuchen.
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  • Kommentar von Leonel Oliveira, Zunzgen
    Als kleiner Denkanstoss an das MFM- Projekt: Eine Überlegung bezüglich der Vermittlung der Funktion vom Samenerguss scheint mir von Nöten. "Die Mission ist es die Menscheiz zu retten". Nettes Motto. Doch was vermittelt dies einem homosexuellen Kind? Bedroht dem zu Folge die Homosexualität die Menschheit? Könnte dies nicht einen psychischen Druck für homosexuelle Kinder zur Folge haben, wenn nicht sogar eine Entwicklungsbehinderung?
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    1. Antwort von Marcel Spycher, Uetendorf
      Ihre Fragen und Überlegungen sind berechtigt, doch zeigt der Beitrag leider nicht den ganzen Workshop. Ihre Fragen, resp. diese Thematik, baue ich geschickt im Workshop ein. Von einem psychischen Druck oder gar einer Entwicklungsbehinderung kann da gar keine Rede sein - im Gegenteil!
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    2. Antwort von Ernst Jacob, Moeriken
      @L:Oliveira: Auch wenn es vielleicht gar ein Wunschtraum 'verquerter' Erwachsener ist, es gibt keine 'homosexuellen' Kinder, Kinder sind höchstens 'gwunderig', aber bis zum Einsetzten der Pubertät sicher nicht 'schon' homo. Es ist nicht Veranlagung, es ist doch viel mehr ein Versuch Erwachsener, die eigene Veranlagung 'schönzureden', gar möglichst noch gesellschaftsfähig zu machen, fast schon 'damit' sicherzustellen, dass der 'Nachwuchs' nicht ausgeht. Anders ist es, für mich, nicht erklärbar.
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  • Kommentar von Ernst Jacob, Moeriken
    Hätte auch nur eine einzige alleinstehende Mutter den Mut, ihre Tochter, unter Auflistung der eigenen missglückten 'Liebes-Geschichte', so aufzuklären, dass das Kind etwas daraus lernen könnte, viele der endlos gleichen Wiederholungen des 'ewig Gleichen' könnten wohl 'so' vermieden werden. Aber 'ehrlich und offen' über Sex spricht doch eine Mutter höchstens noch mit der besten Freundin, doch sicher nicht mit dem eigenen Nachwuchs, es könnte ja die vermeintlich 'unfehlbare' Mutterrolle beflecken.
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