Sonnenfinsternis – Ein Augenblick schadet schon dem Augenlicht

Die geringere Blendwirkung der durch den Mond verdeckten Sonne verleitet dazu, sich eine Sonnenfinsternis auch ohne tauglichen Sichtschutz anzusehen. Keine gute Idee, denn was dem Auge am meisten schadet, ist für das Auge nicht sichtbar.

In einem Observatorium wird die Sonnenfinsternis auf ein Blatt projiziert, im Hintergrund betrachtet ein Gast das Spektakel durch eine Schutzbrille.

Bildlegende: Steht keine Schutzbrille zur Verfügung, lässt sich das Spektakel am sichersten in einer Sternwarte betrachten. imago

Der Anblick der Sonne, die am hellichten Tag vom Mond verdeckt wird, fasziniert die Menschheit seit jeher. Und obwohl seit dem Altertum bekannt ist, welche Konsequenzen das haben kann, lassen sich immer wieder viele dazu hinreissen, das Spektakel mit blossem oder unzureichend geschütztem Auge zu betrachten.

1912 sorgte dies allein in Deutschland für über 3000 gemeldete Netzhautschäden, von denen jeder zehnte bleibender Natur war. 1999, bei der letzten vollständigen Sonnenfinsternis in unseren Breitengraden waren es erheblich weniger, aber auch da wurde die Gefahr von einigen Hundert sträflich unterschätzt.

Gefährlicher Blick auf die teilweise verdeckte Sonne

Während wir unseren Blick instinktiv von der prallen Sonne abwenden, kommt der Schutzreflex bei einer teilweisen Sonnenfinsternis weit weniger zum Tragen. Die Versuchung ist gross, hinzuschauen – was dem Auge in wenigen Augenblicken eine ungesund hohe Ladung Strahlung beschert.

Prinzipiell können alle Elemente des Sonnenlichts unseren Augen schaden – die sichtbaren ebenso wie die unsichtbaren. Durch die Hornhaut und die Augenlinse wird das Licht so gebündelt, dass es an der Makula, der Stelle des schärfsten Sehens, zu Verbrennungen kommen kann – mit bleibenden Schäden bis hin zur Erblindung, und zwar in Sekundenschnelle.

Verbrennungen machen sich als schwarzer Fleck mitten im Sichtfeld bemerkbar – genau wie die Flecken, die man auch nach einem kurzen Blick in die Sonne sieht, die jedoch nach maximal 15 Minuten wieder verschwinden. Das Problem: Es gibt keine Warnhinweise, denn Netzhautschäden verursachen keine Schmerzen. Wenn man doch etwas spürt, ist es bereits zu spät.

Weniger unmittelbar ist die Wirkung der UV- und Infrarot-Strahlung. Diese macht sich zum Beispiel nach einem Tag im Schnee in Form von roten Augen bemerkbar, die dabei einen Sonnenbrand abbekommen haben.

Wie schützen?

Einen tauglichen Schutz gegen die Risiken einer Sonnenfinsternis bieten im Handel erhältliche Schutzbrillen mit metallbedampften Folien und entsprechendem CE-Zertifikat. Wenn zu Hause noch eine von 1999 herumliegt, sollte man sie vor Gebrauch kritisch unter die Lupe nehmen, denn Kratzer oder Löcher in der Folie heben die Schutzwirkung der Brille auf.

Was tun, wenn keine Brille mehr erhältlich war?

  • Die Sonnenfinsternis in einer Sternwarte erleben
  • Die Sonnenfinsternis im Livestream von SRF news verfolgen
  • Eine Lochkamera basteln und den Fortschritt der Sonnenfinsternis als Projektion auf einem Blatt Papier verfolgen.

Untaugliche Alternativen

Diese Vorrichtungen bieten keinen genügenden Schutz beim Betrachten der Sonnenfinsternis und können die Schädigung sogar noch verschlimmern:

  • Geschwärztes / berusstes Glas
  • Filmstreifen
  • CDs, DVDs
  • Übereinander getragene Sonnenbrillen
  • Direkter Blick durch eine Lochblende