Starke Hilfen für schwache Hände

Karotten rüsten, Knoblauch schneiden, Flaschen öffnen und Pfannen heben: Alltägliches, um das man sich erst dann Gedanken macht, wenn es zum Problem wird – wie für die 70‘000 Schweizerinnen und Schweizer mit Rheuma in den Händen. Spezielle Küchenhilfen und bessere Verpackungen könnten helfen.

Speziell designter Drehverschlussöffner, der wie eine Zange um den Deckel eines Konfitürenglases sitzt.

Bildlegende: Ohne spezielle Hilfsmittel stellen Drehverschlüsse für Senioren oft ein unüberwindliches Hindernis dar. imago

Die rheumatoide Arthritis ist die häufigste entzündliche Erkrankung der Gelenke. Weltweit kommt auf 100 Menschen ein Betroffener. Dreimal so oft wie Männer sind das Frauen. Die rheumatoide Arthritis befällt vor allem Finger und Hände, meist zeigen sich die ersten Einschränkungen zwischen dem 40. und dem 60. Lebensjahr. Dann entzünden sich die Gelenke, schwellen an und versteifen.

Am Anfang schmerzen meist vor allem die kleinen Finger- und Zehengelenke, besonders am Morgen. Nach und nach und oft in Schüben greifen Entzündungen und Schmerzen auch auf andere Gelenke über, die Schulter oder Halswirbelsäule beispielsweise. Typisch und bei jedem fünften Patienten der Fall sind «Rheumaknoten» – verdickte Gelenke der Finger oder Ellbogen.

Die Ursache dafür ist nach wie vor unbekannt. Forscher vermuten eine Fehlregulation des Immunsystems: Eigene Immunzellen greifen körpereigenes Material, in dem Fall Gelenkknorpel und Knochen, an. Neben einer erblichen Vorbelastung könnten auch bestimmte Gifte der Auslöser dafür sein – Gifte aus dem Zigarettenrauch beispielsweise.

Haushaltshilfen für Rheumatiker

Nur jeder Zehnte hat das Glück, dass der Fortschritt der Krankheit früh stagniert. Alle anderen müssen lernen, mit ihren zunehmenden Defiziten umzugehen. Das betrifft bereits ganz einfache Handgriffe des Alltags – Brotschneiden beispielsweise oder eine Schere bedienen. Denn Patienten mit rheumatoider Arthritis können die Hand nicht mehr zur Faust schliessen, verlieren die Kraft in den Händen und haben starke Schmerzen.

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Entlastung für Rheumapatienten

3:58 min, aus Puls vom 19.11.2012

Speziell für Rheumabetroffene entwickelte Haushalts- und Küchengeräte haben zum einen verdickte Griffe. Sie liegen so den Rheumatikern besser in der Hand. Zum anderen haben zum Beispiel Brot- und Rüstmesser abgewinkelte Griffe. Diese können sie mit einer ergonomisch korrekten Handgelenkstellung einsetzen und so leichter handhaben. Auch gute Geräte entlasten: Scharfe Messer brauchen weniger Kraft als stumpfe.

Einfache Haushaltshilfen sind laut der Rheumaliga Schweiz noch zu wenig bekannt. Ausserdem sei die Hürde bei vielen Betroffenen zu hoch, sich Hilfsmittel für den Alltag zuzulegen.

Das Verhalten anpassen

Neben Hilfsmitteln kann man seine Gelenke im Alltag auch durch angepasstes Verhalten entlasten:

  • Arbeiten mit Ellbogen im rechten Winkel
  • Hand und Unterarm beim Arbeiten (auch am Schreibtisch) auf einer Linie.
  • Statt sich zu bücken mit geradem Rücken in die Knie gehen
  • Lasten nah am Körper tragen (Rücken oder Brust)
  • Schweres (zum Beispiel eine gusseiserne Pfanne beim Abwasch) bei der Arbeit abstellen.
  • Hebelkräfte ausnutzen durch Verlängerungen, zum Beispiel beim Öffnen von Deckeln oder Benutzen des Hausschlüssels. Auch Armaturen mit Hebeln statt Drehverschlüsse gehen besser.
  • Sitzhöhe anpassen: Gesäss gleich hoch wie die Knie oder höher. Gerade sitzen, immer wieder anlehnen. Keilkissen erleichtern das Aufstehen. Abwechslungsmöglichkeiten einplanen (zum Beispiel mittels höhenverstellbarem Schreibtisch).
  • Kopf beim Lesen nur leicht neigen. Kinn nicht nach vorne strecken.

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